Autorin: Dr. rer. nat. Marion Bartel | Diplom-Biochemikerin, Vita 34
Wenn ein Baby geboren wird, beginnt ein ganz neues Leben – und gleichzeitig entsteht etwas, das viele Eltern zunächst gar nicht im Blick haben: die Nabelschnur. Was früher einfach entsorgt wurde, rückt heute immer stärker in den Fokus der Medizin. Denn die Nabelschnur enthält besondere Stammzellen, die für zukünftige Therapien eine wichtige Rolle spielen könnten.
Eine neue klinische Studie zu Stammzelltherapie bei Knorpelschaden im Knie zeigt nun, welches Potenzial in diesen Zellen steckt – und warum sich werdende Eltern mit dem Thema beschäftigen sollten.
Was ist eigentlich so besonders an der Nabelschnur?
Die Nabelschnur verbindet das Baby während der Schwangerschaft mit der Mutter. In ihrem Gewebe befinden sich sogenannte mesenchymale Stromzellen (MSC). Das klingt kompliziert, lässt sich aber einfach erklären:
- Diese Zellen sind sehr jung, weil sie aus der Geburt stammen
- Sie können sich vermehren
- Sie unterstützen den Körper dabei, geschädigtes Gewebe zu reparieren
Bisher kannten viele Eltern vor allem die Einlagerung von Nabelschnurblut, das bereits heute bei bestimmten Blutkrankheiten eingesetzt wird. Neu ist: Auch das Gewebe der Nabelschnur selbst rückt immer stärker in den Fokus der Forschung.
Unbehandelte Knorpelschäden führen zur Kniearthrose
Unbehandelte Knorpelschäden im Knie können auf Dauer zu Kniearthrose führen.
Der Knorpel ist eine glatte Schutzschicht im Gelenk. Er sorgt dafür, dass die Knochen beim Bewegen gut übereinander gleiten. Wenn der Knorpel beschädigt ist und nicht behandelt wird, nutzt sich das Gelenk schneller ab.
Mit der Zeit kann das Knie dadurch schmerzen, anschwellen und steif werden. Auch das Gehen oder Treppensteigen kann schwieriger werden.
Deshalb ist es wichtig, Knorpelschäden früh zu erkennen und behandeln zu lassen, um eine Kniearthrose möglichst zu verhindern.
Eine neue Studie: Können Nabelschnur-Stammzellen bei Knorpelschäden helfen und damit einer Arthrose vorbeugen?
In Deutschland startet nun eine genehmigte klinische Studie, die genau dieser Frage nachgeht. Von September 2025 bis September 2028 wird untersucht, ob Stammzellen aus Nabelschnurgewebe Menschen mit Knorpelschaden im Knie helfen können.
An der Studie nehmen 55 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 60 Jahren teil. Bei einer schonenden Operation werden Stammzellen aus Nabelschnurgewebe auf den geschädigten Knorpel aufgebracht. Anschließend wird über zwei Jahre beobachtet:
- Ist die Behandlung sicher?
- Lindert sie Schmerzen?
- Kann sich der Knorpel regenerieren?
- Verbessert sich die Lebensqualität?
Wichtig zu wissen: Diese Studie dient vor allem dazu, die Sicherheit der Methode zu prüfen. Das ist immer der erste Schritt, bevor neue Therapien überhaupt zugelassen werden können.
Ein Blick ins Ausland: Behandlung von Arthrose im Knie
Auch wenn die Forschung in Deutschland noch am Anfang steht, gibt es international bereits erste Erfahrungen. In Südkorea ist seit 2012 ein Medikament zugelassen, das auf Stammzellen aus Nabelschnurblut basiert. Es wird dort zur Behandlung von Knieknorpelschaden bei Arthrose eingesetzt.
Diese Zulassung gilt zwar nur für ein ganz bestimmtes Produkt und ein anderes Gesundheitssystem – sie zeigt aber:
Therapien mit Nabelschnur-basierten Stammzellen sind grundsätzlich machbar und regulatorisch bewertbar, wenn Sicherheit und Wirksamkeit nachgewiesen sind.
Warum sind Nabelschnur-Stammzellen für die Medizin so interessant?
Stammzellen aus der Nabelschnur haben mehrere Vorteile:
- Biologisch jung: Sie stammen aus der Geburt und sind nicht „gealtert“
- Gut verträglich: Sie werden vom Immunsystem meist gut akzeptiert
- Unterstützen Heilung: Sie können Entzündungen hemmen und Regenerationsprozesse fördern
Gerade bei Erkrankungen, wie Knorpelschäden oder Arthrose, bei denen der Körper sich nur schlecht selbst reparieren kann sind diese Eigenschaften besonders spannend.
Was bedeutet das konkret für Familien?
Knorpelschaden im Knie entstehen häufig durch Sport, Unfälle oder Verschleiß. Viele Betroffene leiden jahrelang unter Schmerzen, und nicht selten bleibt am Ende nur ein künstliches Gelenk.
„Diese Studie zeigt eindrucksvoll, welches therapeutische Potenzial in den Stammzellen aus der Nabelschnur steckt – nicht nur direkt nach der Geburt, sondern möglicherweise auch Jahrzehnte später“, erklärt Dr. Marion Bartel, Diplom-Biochemikerin bei Vita 34, Deutschlands größter Stammzellbank.
Was sollten werdende Eltern jetzt wissen?
- Die Nabelschnur kann nur direkt nach der Geburt gewonnen werden.
- Wird sie nicht entnommen, ist diese Chance später nicht mehr nachholbar.
- Die Forschung entwickelt sich – aber viele Anwendungen liegen noch in der Zukunft.
Wichtig ist auch: Die aktuelle Studie ist noch keine zugelassene Therapie. Es wird noch Jahre dauern, bis klar ist, ob und wann solche Behandlungen im medizinischen Alltag ankommen.
Die Entscheidung für oder gegen eine Einlagerung der Nabelschnur ist eine sehr persönliche Familienentscheidung. Wer sich dafür interessiert, sollte sich gut informieren und das Gespräch mit Hebamme oder Frauenärztin bzw. Frauenarzt suchen.
Über Vita 34
Vita 34 ist seit 1997 die größte Stammzellbank im deutschsprachigen Raum. Mehr als 230.000 Familien aus 20 Ländern haben dort bereits Stammzellen eingelagert. Das Unternehmen arbeitet mit über 95 % der Geburtskliniken in Deutschland zusammen und erfüllt höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards.
Quellen und Studien:
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Safety and Efficacy of hUC-MSC for the Treatment of Cartilage Damage in the Knee Joint (BPCC001): https://clinicaltrials.gov/study/NCT06981741


