Autorin: Dr. rer. nat. Marion Bartel | Diplom-Biochemikerin, Vita 34
Inhalt:
- Wofür werden Stammzellen aus Nabelschnurblut therapeutisch genutzt?
- Neue Chancen durch die Vermehrung von Stammzellen
- Weitere Studien laufen
- Die Vorteile von Nabelschnurblut
- Über bedingte Zulassungen – Conditional Marketing Authorizations (CMAs)
- Stammzellen einlagern bei Vita 34
- Quellen
Wofür werden Stammzellen aus Nabelschnurblut therapeutisch genutzt?
Blutbildende Stammzellen aus Nabelschnurblut werden in der Medizin seit über 30 Jahren eingesetzt. Heute helfen sie bereits bei der Behandlung von mehr als 80 schweren Erkrankungen wie Leukämien, Lymphomen oder Sichelzellenanämie, wenn Patienten eine Hochdosis-Chemotherapie benötigen. Auch in der regenerativen Medizin zeigen Studien, dass diese Zellen für Patientinnen und Patienten einen klinischen Nutzen haben können.
Bisher gab es jedoch eine wichtige Einschränkung. In einer einzelnen Nabelschnurblutspende befinden sich oft nicht genügend blutbildende Stammzellen, um erwachsene Patientinnen und Patienten sicher behandeln zu können. Deshalb wurde Nabelschnurblut bisher häufiger bei Kindern eingesetzt.
Neue Chancen durch die Vermehrung von Stammzellen
Ein medizinischer Durchbruch zeigt erneut, welches Potenzial im Nabelschnurblut steckt. Zum ersten Mal in Europa wurde ein Medikament bedingt zugelassen, das auf einer Technologie zur Vermehrung von Stammzellen aus Nabelschnurblut basiert.
Die Europäische Kommission hat dem Medikament Zemcelpro® (Dorocubicel) eine bedingte Zulassung erteilt. Diese Therapie nutzt eine spezielle Technologie, mit der Blutstammzellen aus gespendeten Nabelschnurblut im Labor vermehrt werden können. Entwickelt wurde das Verfahren vom Biotechnologieunternehmen ExCellThera aus Montreal. Die Therapie selbst wurde von Cordex Biologics entwickelt und wird auch von diesem Unternehmen vertrieben.
Die neue Technologien kann bisherige Grenze nun überwinden. Dadurch könnte künftig auch für Erwachsene ausreichend Zellmaterial für eine Transplantation zur Verfügung stehen.
Wie groß dieses Potenzial ist, zeigen aktuelle klinische Studien. Die Ergebnisse sind bemerkenswert. Patientinnen und Patienten, die die vermehrten Stammzellen erhielten, erholten sich deutlich schneller. Die weißen Blutkörperchen regenerierten sich etwa zehn Tage früher als bei der Standardtherapie. Auch die Blutplättchen erholten sich schneller, Infektionen traten seltener auf und die Patientinnen und Patienten konnten mehr Zeit außerhalb des Krankenhauses verbringen.
Weitere Studien zur Vermehrung von Stammzellen laufen
Weltweit laufen derzeit mehr als 3000 Studien zu Stammzellen. Viele davon untersuchen neue Einsatzmöglichkeiten für Stammzellen aus Nabelschnurblut, darunter die Vermehrung von Stammzellen.
Zemcelpro® (Dorocubicel) wurde in klinischen Studien in den Vereinigten Staaten, Europa und Kanada bei 120 Patienten mit hämatologischen Malignomen untersucht. Zemcelpro® (dorocubicel) wurde in Phase-2-Studien bei Patienten mit hoch- und sehr hochriskanten akuten Leukämien und Myelodysplasien getestet, die unter den derzeitigen Standardtherapien nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten mit geringen Überlebenschancen und einer hohen Rückfallquote haben. Eine zulassungsrelevante Phase-3-Studie mit dieser Patientengruppe wird so bald wie möglich begonnen.
Für Vita 34 als Teil der FamiCord Group, Europas größte private Nabelschnurblutbank, bestätigt diese Entwicklung die enorme Bedeutung dieser Ressource. Moderne Technologien zeigen, dass selbst kleinere Nabelschnurblutpräparate künftig für Therapien genutzt werden könnten.
Der Hämatologe und medizinische Direktor der FamiCord Group, Prof. Emilian Snarski, betont: „Lange galt die Vermehrung blutbildender Stammzellen als eine der größten Herausforderungen der Hämatologie. Die aktuellen Studienergebnisse zeigen, dass diese Hürde nun überwunden werden könnte.“
Die Vorteile von Nabelschnurblut zur Stammzellen-Vermehrung
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:
- Stammzellen aus Nabelschnurblut werden seit über 30 Jahren zur Behandlung von mehr als 80 Krankheiten eingesetzt.
- Neue Technologien ermöglichen es, diese Stammzellen im Labor zu vermehren und dadurch auch für erwachsene Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen.
- Klinische Studien zeigen, dass vermehrte Stammzellen zu einer schnelleren Regeneration des blutbildenden Systems führen können.
Über bedingte Zulassungen (Conditional Marketing Authorizations, CMAs)
CMAs gelten für Arzneimittel, die einen erheblichen ungedeckten medizinischen Bedarf erfüllen – zum Beispiel bei schweren und lebensbedrohlichen Erkrankungen, für die es keine zufriedenstellenden Behandlungsmethoden gibt oder, wenn das Arzneimittel einen wesentlichen therapeutischen Vorteil bietet. Eine CMA wird erteilt, wenn umfassende klinische Daten noch nicht vollständig vorliegen, der Nutzen des Arzneimittels zur Deckung eines erheblichen ungedeckten Bedarfs jedoch den Bedarf an zusätzlichen Daten überwiegt, die in Zukunft verfügbar werden. CMAs sind ein Jahr gültig und können jährlich verlängert werden, während die Behörden die Daten laufend überprüfen.
Stammzellen einlagern bei Vita 34
Vita 34 ist seit 1997 die größte Stammzellbank im deutschsprachigen Raum. Mehr als 230.000 Familien aus 20 Ländern haben dort bereits Stammzellen eingelagert. Das Unternehmen arbeitet mit über 95 % der Geburtskliniken in Deutschland zusammen und erfüllt höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards.
Quellen und Studien:
- https://www.ema.europa.eu/de/documents/overview/zemcelpro-epar-medicine-overview_de.pdf
- https://www.pei.de/SharedDocs/arzneimittel/atmp/somatische-zelltherapeutika/EU-1-25-1960.html
- https://excellthera.com/news/zemcelpro-dorocubicel-positive-results-in-high-and-very-high-risk-blood-cancers-to-be-reported-at-the-ebmt-2026-annual-meeting/
- https://www.famicord.com/de/erweiterung-der-stammzellen-aus-nabelschnurblut-als-chance-fuer-krebspatienten



