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Gesundheit
18.03.2020

Schwangerschaft und Coronavirus

Bild einer Immunzelle

Sie möchten wissen, ob der Coronavirus in der Schwangerschaft für Sie und Ihr Kind vor und nach der Geburt eine Gefahr darstellt? Dann lesen Sie unser Themen-Spezial und erfahren Sie was der Virus für Sie und Ihr Kind bedeutet und welche Behandlungsoptionen mit Stammzellen gegen den Virus bereits besprochen werden.

Hier finden Sie alle Informationen zum Thema Coronavirus und die Auswirkung auf Ihre Schwangerschaft sowie aktuelle klinische Studien von Stammzellen zur Behandlung von Covid-19.

Dieser Beitrag wird je nach Informationslage aktualisiert.

Alle Infos finden Sie auch in unserem praktischen Covid-19-Ratgeber zum Download –>

Therapie von COVID-19-Patienten: viele Ansätze – (noch) keine Option

Seit Dezember 2019 breitet sich das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) weltweit aus, seit Februar 2020 auch in Deutschland. Die Anzahl infizierter Personen steigt seitdem konstant an, ebenso die Zahl der Verstorbenen1. Eine Therapie gibt es bislang nicht – die durch das Virus ausgelöste Erkrankung COVID-19 (Corona Virus Disease 2019) wird bislang ausschließlich symptomatisch behandelt2,3. Es wird jedoch weltweit sehr intensiv an Behandlungsmöglichkeiten geforscht. Die Wissenschaftler verfolgen dabei unterschiedliche Therapieansätze4. Jeder dieser Ansätze konzentriert sich auf einen ganz bestimmten Aspekt der Virusvermehrung.

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Wie sich Corona-Viren in der Lunge vermehren

Das Einatmen von Corona-Viren allein reicht nicht aus um zu erkranken. Damit sich die Viren überhaupt vermehren und eine Atemwegserkrankung auslösen können, müssen sie in bestimmte Zielzellen (genauer: Wirtszellen) eindringen. Für Coronaviren sind das hauptsächlich bestimmte Zellen auf der Oberfläche des Lungengewebes – die Lungenepithelzellen5-7. Der Grund, weshalb die Viren eine Wirtszelle benötigen, ist simpel: Coronaviren, so auch SARS-CoV-2, bestehen aus verschiedenen Einzelteilen8. Ihre Hülle, die markanten Oberflächenmoleküle (Spike-Proteine) oder ihr Gen-Material können sie aber nicht selbst herstellen. Dazu fehlen ihnen bestimmte Schlüsselproteine. Diese finden sie aber in der Wirtszelle8. Einmal von dieser aufgenommen, schleust das Virus also zuerst sein Genmaterial in das Zellinnere – die Bauanleitung für neue Viren sozusagen. Die Zellmaschinerie der Wirtszelle stellt entsprechend dieser Vorlage neue Viren her – SARS-CoV-2 „nach Maß“. Für die Virus-Hülle „spendet“ die Zelle sogar einen Teil ihrer eigenen Zellmembran und geht daran, je mehr neue Viren sie freisetzt, selbst zugrunde. Besonders tragisch: durch bestimmte Informationen in seinem Gen-Material zwingt SARS-CoV-2 die Zelle dazu, ihren gesamten Stoffwechsel ausschließlich der Virusvermehrung zu widmen5,6. Auf diese Weise wird auch die unter normalen Umständen sofort eingeleitete Immunantwort unterdrückt8 – ein Zeitpuffer für die Virusvermehrung. Die von der infizierten Zelle freigesetzten, neuen Viren können nun selbst gesunde Lungenzellen befallen. Auf diese Weise breitet sich die Infektion in der Lunge aus8.

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Verschiedene Forschungsansätze

Die aktuell erforschten Therapieansätze fokussieren nun auf drei bestimmte Schritte (Hoffmann) die bei jeder Infektion durchlaufen werden:

  1. 1. Das Verhindern der Aufnahme von SARS-CoV-2 in die Lungenzellen
  2. 2. Das Blockieren der Vermehrungsmaschinerie des Virus in der infizierten Zelle
  3. 3. Die Regulierung und Kontrolle der überschießenden Immunantwort des Körpers als Reaktion auf die SARS-CoV-2-Infektion

Die Aufnahme von SARS-CoV-2 in die Lungenzellen verhindern

Eine Möglichkeit die Virusvermehrung zu verhindern, ist es, die Aufnahme von SAR-CoV-2 in seine Zielzellen zu blockieren. Die hier erforschten Wirkstoffe funktionieren auf 2 Wegen: Entweder blockieren sie die für SARS-CoV-2 notwendigen Andockstellen auf der Oberfläche der Zielzellen oder sie verhindern, dass nach dem Andocken die Virusmembran mit der Zellmembran verschmelzen kann4. Einige Wirkstoffe werden bereits in Patientenstudien untersucht, manche werden außerhalb ihrer Zulassung verwendet (auch off label use). Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über einige der erforschten Wirkstoffe:

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Remdesivir

Dieser Wirkstoff wurde ursprünglich vom Pharmariesen Gilead zur Behandlung von Ebola-Patienten entwickelt, aber nicht weiterverfolgt. Aktuell wird der Wirkstoff in 2 großen Patientenstudien (etwa 1.000 Patienten) zur Behandlung von milden und moderaten COVID-19-Verläufen untersucht. Beide Studien sollen Ende April abgeschlossen sein. Die WHO sieht Remdesivir bereits jetzt schon als vielversprechendsten Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von COVID-194

Lopinavir

Ursprünglich ein HIV-Therapeutikum. Es wird vermutet, dass er gegen SARS-CoV-2 ähnlich wirkt wie gegen HIV4. Patientenstudien bei vorangegangenen Coronavirus-Epidemien (SARS, MERS) lassen eine Wirksamkeit zumindest vermuten. Patientenstudien mit schwer erkrankten COVID-19-Patienten konnten jedoch bislang keinen therapeutischen Effekt nachweisen19,20

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Darunavir

Aktuell wird dieser Wirkstoff in einer großen Patientenstudie mit über dreitausend COVID-19-Patienten getestet. Die Studie startete am 18.03.2020 und soll bereits Mitte Juni 2020 beendet sein21. Konkrete Daten aus Patientenstudien oder Laborversuchen zu Darunavir & COVID-19 gibt es laut Aussage des Herstellers Janssen Pharmaceuticals noch nicht. Untersuchungen laufen aber22.

Favipiravir

In Japan ist dieser Wirkstoff zugelassen für die Behandlung von Influenza Typ A und Typ B23. In China erhielt er kürzlich eine fünfjährige Zulassung zur Behandlung von COVID-19-Patienten24. Grundlage dafür seien vielversprechende Ergebnisse einer Patientenstudie aus der Millionenmetropole Shenzhen24. Entsprechende Daten wurden bislang nicht veröffentlicht4.

Sofosbuvir

Ein Wirkstoff aus der Hepatitis-C-Therapie. Hinweise zur Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 stammen aus Forschungsarbeiten in denen mit Hilfe von Computeralgorithmen die Wahrscheinlichkeit einer Wirksamkeit errechnet wurde25,26. Die Eignung von Sofosbuvir zur Behandlung von COVID-19-Patienten wird daher diskutiert27. Patientenstudien sind aber bislang nicht noch nicht gestartet4.

Ribavirin

Ebenfalls ein Wirkstoff aus der Hepatitis-C-Therapie4. Hinweise zu seiner Wirkung gegen SARS-CoV-2 stammen ebenfalls aus virtuellen Berechnungen25,26. In früheren Coronavirus-Epidemien (SARS, MERS) war Ribavirin in Patientenstudien getestet worden. Ein wirklicher Nutzen für die Behandlung wurde jedoch nicht festgestellt28.

Unabhängig vom Wirkstoff: Alle antiviralen Medikamente verhindern eine Verschlechterung der Erkrankung, egal ob sie nun die Virusaufnahme oder die Virusvermehrung hemmen. Bei Patienten die bereits schwer krank sind, ist deshalb ein anderer Fokus notwendig. Hier gilt es die Immunantwort des Körpers zu regulieren.

Die überschießende Immunantwort regulieren

Coronavirus-Infektionen erzeugen starke, überschießende Immunreaktionen29. Der Grund dafür ist, dass Coronaviren nicht nur Zellen des Lungengewebes befallen sondern zudem bestimmte Zellen der angeborenen Immunabwehr, wie Fresszellen oder dendritische Zellen, infizieren29. In beiden Fällen wird das „Hilfesignal“, das diese Zellen unmittelbar nach der Infektion an ihre Umgebung senden wollen, durch das Virus zuerst noch unterdrückt8. Nach einer gewissen Verzögerung wird dieses Signal jedoch in Form von unterschiedlichsten Botenstoffen umso stärker ausgesendet29.Da nun in der Lunge viele Zellen von Viren befallen sind, werden ebenso viele besonders starke „Hilfesignale“ abgesetzt. Dieses Phänomen wird auch als Zytokinsturm (engl.: cytokine storm) bezeichnet29. Ein solcher Zytokinsturm ruft die gesamte Immunabwehr auf den Plan. Die Immunantwort gerät außer Kontrolle29. Das Resultat sind meist schwere Lungenschäden. Betroffene Patienten entwickeln häufig ein sogenanntes akutes Atemnotsyndroms (ARDS) und müssen beatmet werden30.

Wirkstoffe aus verschiedenen Therapierichtungen kommen zur Behandlung infrage. Dazu zählen unter anderem Kortikosteroide, rekombinante monoklonale Antikörper, passive Immunisierung oder zelluläre Therapien4. Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick zu einigen der erforschten Wirkstoffe:

Kortikosteroide

Ein Überbegriff für Hormone die in der Nebennierenrinde gebildet werden. Bestimmte Kortikosteroide wie Glucocorticoide wirken entzündungshemmend und können Immunreaktionen abschwächen. Die Anwendung von Kortikosteroiden wird von der WHO jedoch nicht empfohlen. Eine Ausnahme bildet die Anwendung im Rahmen von Patientenstudien. Grund dafür sind bestimmte Nebenwirkung wie die Begünstigung von Superinfektionen (Begleitinfektionen mit Bakterien)4. Einer Stellungnahme chinesischer Experten zufolge sollen Kortikosteroide in nur geringer Dosierung für maximal 7 Tage, idealerweise kürzer, verabreicht werden31.

Monoklonale Antikörper

Antikörper sind in der Lage ganz gezielt bestimmte Moleküle zu erkennen. Verschiedene Antikörper im Zusammenhang mit COVID-19 versuchen deshalb die Bindung von Signalmoleküle an deren Rezeptoren zu blockieren. Auf diese Weise soll die Immunreaktion abgeschwächt werden. Das Prinzip wird derzeit in verschiedenen Patientenstudien erforscht32,33.

Rekonvaleszenten-Plasma

Die Idee, das Blutplasma von Infizierten nach ihrer Genesung zur Behandlung anderer infizierter Personen zu verwenden, ist nicht neu. Diese Methodik wurde bereits bei der spanischen Grippe angewendet34. Im Zusammenhang mit COVID-19 deuten erste Ergebnisse darauf hin, dass diese Praktiken helfen könnte SARS-CoV-2 zu bekämpfen. In einer chinesischen Pilotstudie wurden 5 schwerkranke COVID-19-Patienten erfolgreich mit Rekonvaleszenten-Plasma behandelt35. Am 26.03.2020 startete eine entsprechende Patientenstudie in den USA18. Am 08.04.2018 wurde eine entsprechende Studie auch in Deutschland genehmigt36.

Stammzellen aus Nabelschnurgewebe

Chinesische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die kritische COVID-19-Pneumonie mithilfe von Bindegewebs-Stammzellen, sogenannten mesenchymalen Stammzellen, aus Nabelschnurgewebe (UC-MSCs, vom englischen umbilical cord) erfolgreich behandelt werden kann. Dies zeigt der Fallbericht einer 65-Jährigen Chinesin37. Das Besondere an UC-MSCs ist, dass sie chemotaktisch sind. Das bedeutet, dass diese Zellen Gewebeverletzungen „wittern“ und entlang einer „Duftspur“ aus chemischen Botenstoffen (fachlich: Zytokin-Gradienten) gezielt zu Entzündungsherden wandern38,39. Durch Freisetzung verschiedener Botenstoffe und Wachstumsfaktoren stoßen sie dort Regenerationsprozesse an38,40. Zudem wirken sie immunmodulierend, d.h. sie schwächen gezielt Entzündungsreaktionen ab41-44. Eine Phase-1-Studie untersuchte bereits, ob UC-MSCs bei der Behandlung von Patienten mit COVID-19-Pneumonie sicher und unbedenklich sind45. Die Ergebnisse stehen aber noch aus. Aktuell untersuchen 2 Phase-2-Studien nun aber auch konkret die Wirksamkeit von UC-MSCs bei der Behandlung von COVID-19-Pneumonie46,47. Die Studien begannen im Februar 2020 und enden voraussichtlich noch im Herbst diesen Jahres46,47. Dann wird sich zeigen, ob die Wirksamkeit von UC-MSCs in einer größeren Patienten-Kohorte bestätigt werden kann und die Zellen eine realistische Option zur Behandlung von schwerer und kritischer COVID-19-Pneumonie sind.

Referenzen

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