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Stammzellen
05.03.2026
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Rettende Stammzelltransplantation: Warum Nicht-Europäer seltener passende Spender finden

flat medical vector illustration of many floating stem cells in open space

Autor: Dr. Volker Henn | Biochemiker und freiberuflicher Wissenschaftsautor mit Schwerpunkt Biomedizin

Inhalt:

Eine Stammzelltransplantation kann für Menschen mit Leukämie oder anderen schweren Bluterkrankungen lebensrettend sein. Doch wer nicht aus Europa stammt, findet deutlich seltener einen passenden Stammzellspender.

Warum eine Stammzelltransplantation lebensrettend sein kann

Gespendete blutbildende Stammzellen können Leben retten– insbesondere im Rahmen einer Stammzelltransplantation bei Leukämie oder Lymphknotenkrebs. Doch der rettende Eingriff ist nur möglich, wenn Ärzte einen passenden gesunden Spender finden.

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Internationale Melderegister ermöglichen es, die Suche auf Millionen mögliche Spender auszuweiten. Allerdings sind die Chancen, einen passenden Spender zu finden, ungleich verteilt. Schwierig kann es vor allem für Menschen sein, deren Familien nicht aus Europa stammen.

Warum ist das so? Und welche Rolle kann hier die private Einlagerung von Nabelschnurblut spielen?

Warum die Übereinstimmung für eine Stammzelltransplantation entscheidend ist: HLA-Merkmale als Erkennungszeichen

Blutkrebs wird in der Regel mit Zellen behandelt, die von anderen Personen stammen.

Dabei kann es jedoch zu Abstoßungsreaktionen kommen. Die gespendeten Zellen vertragen sich nicht immer mit dem Gewebe des Behandelten. Die Folgen dieser Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion können lebensbedrohlich sein. Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, sollten die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger möglichst ähnlich sein.

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Um welche Gewebemerkmale handelt es sich dabei? In erster Linie sind es besondere Eiweißmoleküle, die auf der Oberfläche fast jeder Körperzelle zu finden sind. Sie werden als HLA-Moleküle bezeichnet.

Im menschlichen Erbgut gibt es sechs unterschiedliche HLA-Gene, die jeweils in unterschiedlichen Varianten vorliegen. Jeder Mensch erbt jeweils eine Variante vom Vater und eine von der Mutter. Insgesamt können somit bis zu zwölf verschiedene HLA-Merkmale auf den Körperzellen vorhanden sein.

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Millionen von Kombinationen

Wie gut muss die Übereinstimmung sein, um eine Abstoßung zu vermeiden?

Die deutschen Richtlinien empfehlen, dass beide Versionen der fünf wichtigsten HLA-Gene identisch sein sollten (1). Insgesamt werden somit zehn Merkmale überprüft. Wenn die Zahl der Übereinstimmungen geringer ist, steigt das Risiko einer Abstoßungsreaktion.

Von jedem HLA-Gen existieren jedoch hunderte verschiedene Versionen im menschlichen Erbgut.

Rein rechnerisch ergeben sich daraus viele Millionen unterschiedlicher Kombinationen von Gewebemerkmalen. Dass zwei Menschen in allen zehn Merkmalen übereinstimmen, ist daher sehr unwahrscheinlich.

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Zuerst die Familie, dann eine weltweite Suche

Die besten Chancen auf eine Übereinstimmung bestehen bei nahen Verwandten. Daher stammen etwa 3 von 10 Stammzellspenden aus dem familiären Umfeld (2).

Menschen, deren Familien erst vor kurzem nach Europa eingewandert sind, haben jedoch ein Problem. Oft bleiben viele Familienmitglieder in der alten Heimat zurück und sind für die Ärzte nicht erreichbar.

Ärzte können die Suche aber auch auf die ganze Welt ausweiten. Internationale Register halten die Daten von über 40 Millionen möglichen Stammzellspendern bereit, um weltweit passende Spender für eine Stammzelltransplantation zu finden. Allerdings kommt eine unverhältnismäßig große Zahl dieser Spender aus Familien, die aus Europa stammen. Menschen aus Asien und Afrika hilft dies oft nicht weiter.

Schlechtere Chancen für Menschen aus Afrika und Asien

Denn die Verteilung der HLA-Merkmale unterscheidet sich weltweit stark. So kommen bestimmte Varianten vor allem in Europa, andere in Afrika und wieder andere in Asien vor. Da aber Europäer in den aktuellen Registern die Mehrheit stellen, haben Nicht-Europäer geringere Chancen, einen passenden Spender zu finden.

Eine Studie aus den USA fasst das Problem in konkreten Zahlen zusammen (3). Demnach haben fast 8 von 10 Menschen mit europäischem Hintergrund die Chance, einen gut passenden Stammzellspender zu finden. Für Menschen aus Ostasien sinkt dieser Wert auf 4 von 10. Für Menschen mit afrikanischem Hintergrund sogar auf 2 von 10.

Die Rolle von Nabelschnurblut

Wie lässt sich diese Situation verbessern? Langfristig sollte das Ziel darin bestehen, den Anteil von Nicht-Europäern in den Spenderegistern deutlich zu erhöhen. Dies wird allerdings viel Zeit in Anspruch nehmen. Schneller greift eine individuelle Lösung: Mitglieder der betroffenen Gruppen haben die Möglichkeit, selbst Vorsorge zu treffen. Dazu sollte allerdings die Nabelschnurblutbank vorher prüfen, ob die Stammzellen auch für Familienangehörige geeignet sind.

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut können bereits bei der Geburt eingelagert werden und stehen dem Kind bei Bedarf jederzeit für eine mögliche Stammzelltransplantation zur Verfügung. Auch Familienangehörige könnten in Falle einer Erkrankung davon profitieren.

Quellen:

(1) Fleischhauer, K. et al., Deutscher Konsensus 2021 zur Spenderauswahl für die allogene  Stammzelltransplantation, Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Hämatopoetische Stammzelltransplantation und Zelltherapie (DAG-HSZT), Pädiatrische Arbeitsgemeinschaft Stammzelltransplantation und Zelltherapie (PAS&ZT), Deutsche Gesellschaft für Immungenetik (DGI), Version vom 29.09.2021, https://dag-hszt.de/files/downloads/Konsensus%20Stammzellspenderauswahl%20_2021_09_29_final%20exp.pdf

(2) Deutsches Ärzteblatt, Nabelschnurblutspenden in Deutschland rückläufig, Relevanz könnte zunehmen, Januar 2024, https://www.aerzteblatt.de/news/nabelschnurblutspenden-in-deutschland-ruecklaeufig-relevanz-koennte-zunehmen-a1c50b6a-0931-41f5-b4be-be8f9eb27381

(3) Gragert, L. et al. HLA Match Likelihoods for Hematopoietic Stem-Cell Grafts in the U.S. Registry. N Engl J Med 371, 339–348 (2014). doi: 10.1056/NEJMsa1311707.

Über den Autor

Dr. Volker Henn

Ist promovierter Biochemiker und arbeitete in der Grundlagenforschung insbesondere in Immunologie und Signaltransduktion. Seit 2014 arbeitet er als freiberuflicher Wissenschaftsautor mit Schwerpunkt Biomedizin. Unter anderem publiziert er die Infoseiten www.wissensschau.de.

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