Fachlich geprüft durch: Dr. Heike Thüring-Nahler | Diplom-Biologin und KOL Managerin bei Vita 34
Die Plazenta ist eines der faszinierendsten Organe der Schwangerschaft. Die Bedeutung der Plazenta in der Schwangerschaft wird jedoch häufig unterschätzt. Sie wird oft nur als „Nachgeburt“ bezeichnet, dabei übernimmt sie während der gesamten Schwangerschaft lebenswichtige Aufgaben für Mutter und Kind. Sie versorgt das ungeborene Baby mit Sauerstoff und Nährstoffen, transportiert Abfallstoffe ab und produziert wichtige Hormone, die die Schwangerschaft aufrechterhalten. Ohne die Plazenta wäre eine gesunde Entwicklung des Kindes im Mutterleib nicht möglich (1).
Das Wichtigste auf einen Blick
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- ✓ Die Plazenta versorgt das ungeborene Kind mit Sauerstoff und Nährstoffen.
- ✓ Sie transportiert Stoffwechselprodukte und Kohlendioxid ab.
- ✓ Die Blutkreisläufe von Mutter und Kind bleiben getrennt.
- ✓ Die Plazenta produziert wichtige Hormone wie hCG, Progesteron und Östrogene.
- ✓ Sie spielt eine wichtige Rolle für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft.
- ✓ Die Plazenta enthält wertvolle Stammzellen für Forschung und zukünftige Therapien.
- ✓ Wissenschaftlich gibt es keine belastbaren Belege für gesundheitliche Vorteile der Plazentophagie.
- ✓ Die Einlagerung von Stammzellen aus Plazenta, Nabelschnur und Nabelschnurblut ist bereits heute möglich.
Inhalt:
- Was ist die Plazenta?
- Welche Aufgaben hat die Plazenta?
- Welche Hormone produziert die Plazenta?
- Welche Stammzellen enthält die Plazenta?
- Was ist Plazentophagie?
- Welche Rolle spielt die Plazenta in der Homöopathie?
- Warum ist die Plazenta für Mutter und Kind so wichtig?
- Fazit
- Häufige Fragen zur Plazenta
- Quellen
Was ist die Plazenta?
Die Plazenta ist ein nur während der Schwangerschaft vorhandenes Organ, das Mutter und Kind verbindet. Sie versorgt das ungeborene Baby mit Sauerstoff und Nährstoffen, transportiert Abfallstoffe ab und produziert wichtige Schwangerschaftshormone. Ohne die Plazenta wäre die Entwicklung des Kindes im Mutterleib nicht möglich.
Welche Aufgaben hat die Plazenta?
Die Aufgaben der Plazenta sind vielfältig. Eine zentrale Funktion der Plazenta besteht darin, den Organismus der Mutter mit dem des Kindes zu verbinden, ohne dass sich beide Blutkreisläufe direkt vermischen. Über die Nabelschnur gelangen Sauerstoff, Glukose und andere Nährstoffe zum Baby, während Kohlendioxid und Stoffwechselprodukte aus dem kindlichen Kreislauf wieder abgeleitet werden. Damit übernimmt die Plazenta die Rolle eines hochspezialisierten Versorgungs- und Austauschorgans.
Zu den weiteren Aufgaben der Plazenta gehören der teilweise Schutz vor schädlichen Einflüssen sowie die Unterstützung der körperlichen Anpassungen während der Schwangerschaft. Sie hilft dabei, die Gebärmutter ausreichend durchblutet zu halten, fördert das Wachstum des Kindes und trägt dazu bei, die Schwangerschaft zu erhalten. Auch der Beginn der Geburt wird durch Prozesse in und mit der Plazenta mitgesteuert (1,2).
Welche Hormone produziert die Plazenta?
Die Funktion der Plazenta beschränkt sich nicht auf die Versorgung des Kindes. Die Plazenta produziert zudem wichtige Hormone, die für eine gesunde Schwangerschaft unverzichtbar sind. Zu den wichtigsten Hormonen zählen Humanes Choriongonadotropin (hCG), oft als Schwangerschaftshormon bezeichnet, Progesteron, Östrogene und humanes Plazentalaktogen (hPL). Diese Hormone sorgen dafür, dass die Schwangerschaft stabil bleibt und sich der Körper der Mutter an die neuen Anforderungen anpasst.
Progesteron und Östrogene unterstützen unter anderem den Erhalt der Schwangerschaft, die Durchblutung der Gebärmutter und die Entwicklung der Brustdrüsen. hPL trägt dazu bei, dass der Fötus ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Zusammen bilden diese Stoffe ein fein abgestimmtes Hormonsystem, das für eine gesunde Schwangerschaft unverzichtbar ist (3, 4).
Welche Stammzellen enthält die Plazenta?
Wissenschaftlich ist die Plazenta auch deshalb spannend, weil sie Stammzellen enthält. Forschungen zeigen, dass sogenannte Trophoblast-Stammzellen genutzt werden können, um Fehlfunktionen der Plazenta besser zu verstehen. Wissenschaftler verwenden diese Stammzellen als eine Art „Mini‑Plazenta im Labor“, um nachzuvollziehen, warum die Plazenta manchmal nicht richtig funktioniert und welche Folgen das für Mutter und Kind hat.
Die Plazenta ist damit nicht nur für die Schwangerschaft selbst bedeutsam, sondern auch für die medizinische Forschung.
Man kann mit diesen Trophoblast-Stammzellen im Labor nachstellen, wie sich eine Plazenta entwickelt – und auch, was dabei schiefgehen kann.
Beispiele für solche Fehlfunktionen sind:
- Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)
- Wachstumsstörungen des Babys
- Fehlende oder schlechte Durchblutung der Plazenta
- Frühgeburten
Mit Trophoblast‑Stammzellen können Forscher:
- untersuchen, wie sich Plazentazellen richtig entwickeln sollten
- vergleichen, was bei krankhaften Entwicklungen anders abläuft
- testen, welche Gene oder Faktoren beteiligt sind
- neue Therapieansätze prüfen
Zudem gelingt es heutzutage eine weitere wichtige Stammzellart, die jungen mesenchymalen Stammzellen, die in großer Menge in der Plazenta vorhanden sind für das Kind bei der Geburt aufzubewahren. Erste Studien mit diesen mesenchymalen Stammzellen aus der Plazenta zeigen Einsätze in der regenerativen Medizin wie Herz Kreislauf-Erkrankungen, neurologischen Erkrankungen oder Wundheilungsstörungen (5).
Plazentophagie: Plazenta essen nach der Geburt
In den letzten Jahren ist das Thema Plazentophagie bekannter geworden. Damit ist der Verzehr der Plazenta nach der Geburt gemeint, oft in Kapselform oder als Pulver. Manche Menschen erhoffen sich davon mehr Energie, eine bessere Stimmung oder eine schnellere Erholung nach der Geburt.
Wissenschaftlich ist dieser Nutzen jedoch nicht belegt. Untersuchungen des Universitätsklinikums Jena zeigten, dass bei der Verarbeitung der Plazenta viele Wirkstoffe stark abnehmen und kleine Studien keinen klaren Vorteil gegenüber Placebos fanden. Es gibt daher bislang keine überzeugenden Belege dafür, dass Plazentophagie gesundheitliche Vorteile bringt (6,7).
Plazenta in der Homöopathie
Auch in der Homöopathie spielt die Plazenta eine Rolle, zum Beispiel in Form von Plazentanosoden oder Plazenta-Globuli. Diese Präparate werden aus Plazentagewebe hergestellt und als alternative Mittel angeboten. Manche Anbieter verbinden damit Hoffnungen auf Unterstützung nach der Geburt oder eine Stärkung des kindlichen und mütterlichen Organismus.
Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es dafür jedoch keine belastbare Evidenz. Medizinisch ist deshalb wichtig, zwischen kulturellen oder persönlichen Vorstellungen und nachgewiesener Wirksamkeit zu unterscheiden (8,9).
Warum die Plazenta so wichtig ist
Die Bedeutung der Plazenta geht weit über die eines vorübergehenden Schwangerschaftsorgans hinaus. Sie übernimmt die Versorgung des Kindes, produziert lebenswichtige Hormone, schützt teilweise vor schädlichen Einflüssen und unterstützt die Entwicklung des ungeborenen Lebens. Gleichzeitig ist sie ein Forschungsobjekt mit großem Potenzial, etwa im Bereich der Stammzellen und der Schwangerschaftsmedizin.
Für Mutter und Kind ist die Plazenta während der Schwangerschaft von zentraler Bedeutung. Sie ist das Bindeglied zwischen zwei Organismen und sorgt dafür, dass aus einer Schwangerschaft eine gesunde Geburt werden kann. Ihr oft unsichtbarer Beitrag ist eines der beeindruckendsten Beispiele dafür, wie präzise und komplex der menschliche Körper arbeitet (10).
Fazit
Die Plazenta ist ein echtes Wunderorgan. Sie versorgt das Kind, produziert Hormone, schützt die Schwangerschaft und liefert wertvolle Ansätze für die medizinische Forschung. Themen wie Plazentophagie oder Plazentanosoden werden zwar diskutiert, sind wissenschaftlich aber nicht als wirksam belegt.
Die Plazenta ist nicht nur während der Schwangerschaft von zentraler Bedeutung für Mutter und Kind, sondern gewinnt auch für die Medizin immer mehr an Bedeutung. Heute ist es in Deutschland erstmals möglich, Stammzellen aus der Plazenta beziehungsweise auch aus der Nabelschnur und dem Nabelschnurblut direkt bei der Geburt einzufrieren und für das Kind aufzubewahren. Diese Form der Einlagerung kann später eine wichtige Rolle spielen, wenn einmal moderne Zelltherapien oder Stammzellbehandlungen benötigt werden. Damit zeigt sich: Die Plazenta ist nicht nur ein Organ des Beginns, sondern möglicherweise auch ein medizinischer Schatz für die Zukunft.
Quellen
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- Johannesstift Diakonie: Plazenta – Entwicklung, Nachgeburt & medizinische Aspekte. Verfügbar unter: https://www.johannesstift-diakonie.de/medizinische-versorgung/ratgeber-gesundheit-medizin/ratgeber-geburtshilfe/plazenta
- NetDoktor: Plazenta – Aufgaben und warum manche den Mutterkuchen essen. Verfügbar unter: https://www.netdoktor.de/schwangerschaft/plazenta/
- Spektrum der Wissenschaft: Placentahormone. Lexikon der Ernährung. Verfügbar unter: https://www.spektrum.de/lexikon/ernaehrung/placentahormone/7044
- Springer Pflege: Endokrinologie der Plazenta. Verfügbar unter: https://www.springerpflege.de/endokrinologie-der-plazenta/23491402
- MedMedia: Gesundheit aus der Plazenta. Verfügbar unter: https://www.medmedia.at/das-medizinprodukt/gesundheit-aus-der-plazenta/
- Informationsdienst Wissenschaft (idw): Fehlfunktionen der Plazenta auf der Spur. Verfügbar unter: https://idw-online.de/de/news571455
- Universitätsklinikum Jena: Mutterkuchen als Heilmittel? Verfügbar unter: https://www.uniklinikum-jena.de/Uniklinikum+Jena/Aktuelles/Archiv/PM_Archiv+2019/Mutterkuchen+als+Heilmittel_-pos-5-p-23312.html
- Deutschlandfunk: Plazentophagie – Fitter durch Mutterkuchen? Verfügbar unter: https://www.deutschlandfunk.de/plazentophagie-fitter-durch-mutterkuchen-100.html
- DocCheck: Ein Stück vom guten Mutterkuchen? Verfügbar unter: https://www.doccheck.com/de/detail/articles/13087-ein-stueck-vom-guten-mutterkuchen



