Autor: Dr. Volker Henn | Biochemiker und freiberuflicher Wissenschaftsautor mit Schwerpunkt Biomedizin
Nabelschnurblut von fremden Spendern kann aggressiven Blutkrebs bekämpfen und wird insbesondere bei Leukämien und Lymphomen eingesetzt, findet jedoch immer seltener Anwendung. Britische Mediziner hoffen, dass eine neue Methode diesen Trend umkehrt. Auch die private Einlagerung kann hierzu einen Beitrag leisten.
Inhalt:
- Nabelschnurblut ist seit fast 40 Jahren Teil der Medizin
- Nabelschnurblut hilft bei Leukämien und Lymphomen
- Welche Vorteile Nabelschnurblut in der Stammzelltherapie bietet
- Neue Methode könnte Einsatz von Nabelschnurblut erhöhen
- Wie private Einlagerung von Nabelschnurblut helfen kann
- Quellen
Nabelschnurblut ist seit fast 40 Jahren Teil der Medizin
Im Jahr 1988 konnte Nabelschnurblut erstmals einem Menschen helfen. Die Spende eines Geschwisterkindes heilte einen fünfjährigen Jungen, der an der erblichen Fanconi-Anämie litt. Seitdem nutzen Ärzte die Zellen aus der Nabelschnur für die Behandlung vieler weiterer Erkrankungen.
Zuletzt kam das Nabelschnurblut jedoch zunehmend seltener zum Einsatz. Expert:innen aus Manchester fordern deshalb eine Rückbesinnung. Da sich die Zellen aus der Nabelschnur nun im Labor vermehren lassen, kommen ihre Vorteile noch besser zum Tragen.
Zugleich zeichnet sich jedoch ab, dass öffentliche Spenden immer knapper werden. Privat eingelagertes Nabelschnurblut wäre eine Alternative: Bei Bedarf können Eltern die Spende der Allgemeinheit zugänglich machen.
Nabelschnurblut hilft bei Leukämien und Lymphomen
Das mit Abstand häufigste Einsatzgebiet von Nabelschnurblut ist die Therapie von Blutkrebs. Zwar lassen sich viele Leukämien und Lymphome gut behandeln, doch aggressive Formen erfordern häufig eine radikale Maßnahme: Ärzte beseitigen das erkrankte Knochenmark und ersetzen es mit den Zellen eines Spenders. Stammzellen aus Nabelschnurblut sind dafür besonders gut geeignet und kommen seit vielen Jahren in der Krebstherapie zum Einsatz.
Nabelschnurblut hat jedoch einen Nachteil: Es enthält nur eine begrenzte Anzahl an therapeutischen Zellen. Für die Behandlung von Erwachsenen sind diese Spenden daher häufig nicht geeignet.
Ärzte können sich zwar behelfen, indem sie zwei Spenden von Nabelschnurblut transplantieren. In letzter Zeit werden jedoch meist Stammzellen von erwachsenen Spendern bevorzugt, selbst wenn deren Gewebemerkmale nur teilweise mit denen des Empfängers übereinstimmen. Nabelschnurblut wird in der Medizin dagegen immer seltener eingesetzt.
Welche Vorteile Nabelschnurblut in der Stammzelltherapie bietet
Für eine Rückbesinnung auf das Nabelschnurblut haben sich jetzt drei Expert:innen der Universität Manchester ausgesprochen. Unter ihnen ist auch der Transplantationsmediziner Robert Wynn, der 2026 für seine Arbeit den Elaine-Gluckman-Preis erhalten hat (1). Benannt ist der Preis nach der französischen Ärztin, die 1988 die erste erfolgreiche Therapie mit Nabelschnurblut angeleitet hat. Zu den Preis-Stiftern gehört die FamiCord-Gruppe, die in Deutschland von ihrer Marke Vita 34 vertreten wird.
Im April haben Robert Wynn und seine Kollegen einen Artikel in einem renommierten Fachjournal veröffentlicht (2). Darin weisen sie ausdrücklich auf die bewährten Vorteile von Nabelschnurblut hin. Bei der Behandlung von Blutkrebs führt es zu Überlebensraten, die denen von Spenden Erwachsener in nichts nachstehen. Doch die jungen Zellen aus der Nabelschnur bieten zusätzliche Vorteile:
- Sie sind besser verträglich und lösen seltener die gefährliche Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvHD) aus.
- Sie können verbleibende Krebszellen wirksam zurückdrängen.
- Sie haben eine höhere Toleranz für fremdes Gewebe und eignen sich daher für einen größeren Kreis von Empfängern.
Neue Methode könnte Einsatz von Nabelschnurblut erhöhen
Zudem kann eine neue Entwicklung den Einsatz von Nabelschnurblut vorantreiben: Forscher haben Wege gefunden, Stammzellen im Labor zu vermehren. Ein entsprechendes Medikament erhielt 2025 in Europa eine bedingte Zulassung. So können nun auch kleine Spenden ausreichend Zellen liefern, um Erwachsene zu behandeln.
Die geringen Zellzahlen im Nabelschnurblut sind damit kein Hindernis mehr, dessen Vorteile können nun ungehindert zur Geltung kommen. Wynn und seine Koautoren plädieren daher ausdrücklich für einen verstärkten Einsatz von Nabelschnurblut: „Don’t cut the Cord‟ lautet ihr Aufruf, auf deutsch etwa „Schneidet die (Nabel)schnur nicht ab‟.
Wie private Einlagerung von Nabelschnurblut helfen kann
Doch Nabelschnurblut kann nur dann häufiger eingesetzt werden, wenn auch genügend Spenden zur Verfügung stehen. In Deutschland läuft der Trend jedoch seit zehn Jahren genau in die andere Richtung: Die öffentlichen Banken lagern immer weniger Nabelschnurblut ein. Das liegt auch daran, dass ihre Arbeit nicht vom Staat gefördert wird. Die Betreiber sind daher gezwungen, den überwiegenden Teil der Spenden zurückzuweisen (3).
Wie lässt sich die Zahl der verfügbaren Spenden erhöhen? Vita 34 bietet die Option, die private Einlagerung mit einer öffentlichen Spende zu kombinieren. So haben Eltern die Wahl: In einem Notfall können sie das eingelagerte Nabelschnurblut freigeben, um einer schwerkranken Person zu helfen.
Um diese Hilfe weltweit anbieten zu können, ist FamiCord AG mit seiner Marke Vita 34 eine erweiterte Kooperation mit der World Marrow Donor Association (WMDA) eingegangen (4). Diese gemeinnützige Organisation erleichtert die Vermittlung von Spendern und Empfängern über die Landesgrenzen hinweg. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das eingelagerte Nabelschnurblut sinnvoll eingesetzt wird – entweder beim eigenen Kind oder bei einem fremden Menschen in Not.
Quellen:
(1) FamiCord, Meet the Eliane Gluckman Award Winner, https://www.famicord.com/meet-the-eliane-gluckman-award-winner-congratulations-to-prof-robb-wynn
(2) Nunn, J., Poulton, K., & Wynn, R. (2026). Don’t Cut the Cord: Why Umbilical Cord Blood Still Deserves a Place in Transplantation. International Journal of Immunogenetics, e70050. https://doi.org/10.1111/iji.70050
(3) Deutsches Ärzteblatt, Nabelschnurblutspenden in Deutschland rückläufig, Relevanz könnte zunehmen, Januar 2024, https://www.aerzteblatt.de/news/nabelschnurblutspenden-in-deutschland-ruecklaeufig-relevanz-koennte-zunehmen-a1c50b6a-0931-41f5-b4be-be8f9eb27381
(4) Vita 34, Schulterschluss von FamiCord und WMDA – eine Chance mehr auf eine gesündere Zukunft, März 2026 https://www.vita34.de/vitapedia/schulterschluss-von-famicord-und-wmda-eine-chance-mehr-auf-eine-gesundere-zukunft/



