Autorin: Dr. rer. nat. Marion Bartel | Diplom-Biochemikerin, Vita 34
Viele werdende Eltern beschäftigen sich während der Schwangerschaft mit der Frage, ob sie die Stammzellen ihres Babys aus Nabelschnurblut oder Nabelschnurgewebe einlagern lassen sollten. Die moderne Stammzellmedizin bietet heute die Möglichkeit, diese wertvollen Zellen durch Kryokonservierung langfristig aufzubewahren. Doch wie funktioniert das Einfrieren von Nabelschnurblut und Stammzellen eigentlich – und ist das verwendete Gefrierschutzmittel sicher?
Im Folgenden erklären wir verständlich, wie Stammzellen haltbar gemacht werden, welche Rolle Gefrierschutzmittel bei der Lagerung von Nabelschnurblut spielen und was aktuelle Studien über ihre Sicherheit sagen.
In diesem Artikel erfährst du:
- wie Stammzellen haltbar gemacht werden
- wie sicher die Kryokonservierung ist
- welche Rolle Gefrierschutzmittel wie DMSO spielen
- wie die aktuelle Studienlage zur Stammzelltherapie ist
- Quellen
- Quick Facts
Wie werden Stammzellen haltbar gemacht?
Damit Stammzellen aus Nabelschnurblut oder Nabelschnurgewebe langfristig genutzt werden können, müssen sie direkt nach der Geburt aufbereitet und eingefroren werden. Dieser Prozess wird Kryokonservierung genannt.
Bei der Kryokonservierung werden die Stammzellen kontrolliert auf extrem niedrige Temperaturen heruntergekühlt und in der Gasphase über flüssigem Stickstoff bei -180 °C gelagert. Unter diesen Bedingungen stoppen nahezu alle biologischen Prozesse in den Zellen. Dadurch können Stammzellen über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg gelagert werden.
Bevor die Zellen eingefroren werden, wird ein spezielles Gefrierschutzmittel hinzugefügt. Dieses verhindert, dass sich beim Einfrieren Eiskristalle bilden, die die Zellstruktur beschädigen könnten. Anschließend werden die Zellen in einem kontrollierten Verfahren schrittweise heruntergekühlt und sicher gelagert.
Dank moderner Labortechnologien können Stammzellen heute so konserviert werden, dass sie auch nach langer Lagerzeit ihre Funktion behalten.
Ist das Gefrierschutzmittel DMSO sicher?
Das am häufigsten verwendete Gefrierschutzmittel bei der Stammzelllagerung ist Dimethylsulfoxid (DMSO). Dieser Stoff wird seit vielen Jahrzehnten weltweit eingesetzt, sowohl beim Einfrieren von Nabelschnurblut als auch bei der Konservierung sogenannter mesenchymaler Stromazellen (MSC) aus dem Nabelschnurgewebe, die in der regenerativen Medizin eine wichtige Rolle spielen.
Grundsätzlich gelten Therapien mit diesen Zellen als sicher. Dennoch untersuchen Wissenschaftler regelmäßig, ob das zur Lagerung verwendete DMSO Nebenwirkungen verursachen könnte.
Eine umfangreiche Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte die Sicherheitsdaten von mehr als 1.100 Patientinnen und Patienten, darunter Kinder und Erwachsene. Die Teilnehmenden erhielten entweder MSC-Produkte mit 10 % DMSO oder ein DMSO-haltiges Placebo – sowohl über eine Infusion als auch in Form einer lokalen Anwendung auf der Haut.
Die Ergebnisse zeigen ein beruhigendes Bild:
- Nach einer intravenösen Anwendung verteilt sich DMSO schnell im Körper.
- Der Stoff wird größtenteils zu harmlosen Abbauprodukten umgewandelt.
- Diese werden anschließend über Urin oder Atemluft ausgeschieden.
In manchen Fällen kann ein vorübergehender knoblauchartiger Geruch auftreten, da ein Teil der Abbauprodukte über die Atemluft abgegeben wird. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind jedoch selten.
Wichtig:
Die bei MSC-Behandlungen eingesetzten Mengen an DMSO liegen deutlich unter den Sicherheitsgrenzen, die bei klassischen Stammzelltransplantationen gelten. In den meisten Fällen treten höchstens leichte und vorübergehende Reaktionen auf.
Auch bei der topischen Anwendung auf der Haut, beispielsweise bei der Behandlung von Wunden, wurden in Studien keine signifikanten lokalen Nebenwirkungen festgestellt.
Aktuelle Studienlage zur Stammzelltherapie
Die Forschung rund um Stammzellen aus Nabelschnurblut entwickelt sich weltweit sehr dynamisch. Bereits heute werden sie erfolgreich zur Behandlung bestimmter Erkrankungen eingesetzt, insbesondere bei:
- verschiedenen Bluterkrankungen
- Störungen des Immunsystems
- einigen erblichen Stoffwechselerkrankungen
Darüber hinaus untersuchen zahlreiche Studien neue Einsatzmöglichkeiten der Stammzelltherapie. Besonders im Fokus stehen regenerative Therapien, bei denen Stammzellen aus Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe helfen könnten, geschädigtes Gewebe zu reparieren oder Entzündungen zu regulieren.
Die aktuelle Studienlage zeigt außerdem, dass sowohl die Zelltherapien selbst als auch die verwendeten Konservierungsverfahren kontinuierlich wissenschaftlich überprüft werden. Die bisherigen Ergebnisse bestätigen die Sicherheit der eingesetzten Methoden.
Was bedeutet das für werdende Eltern?
Für viele werdende Eltern ist die Einlagerung von Nabelschnurblut eine Möglichkeit, frühzeitig für die Gesundheit ihres Kindes vorzusorgen.
Durch die Kryokonservierung bleiben die Stammzellen langfristig verfügbar und könnten im Falle einer späteren medizinischen Anwendung genutzt werden. Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien, dass sowohl die Lagerung als auch die verwendeten Gefrierschutzmittel gut untersucht sind.
Quellen und Studien:
- Niebergall-Roth E, Kluth MA. Dimethylsulfoxid in kryokonservierten mesenchymalen Stromazelltherapieprodukten: Besteht ein Sicherheitsrisiko für Patienten? J Transl Med. 18. August 2025; 23(1):932. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40826088/



