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Schwangere Mutter mit Kind auf einem Sofa

Autorin: Dr. Heike Thüring-Nahler | Diplom-Biologin, Vita 34

Während früher der Kaiserschnitt nur bei komplizierten Geburten infrage kam, zeichnet sich in den letzten Jahren ein Trend zum gewünschten Kaiserschnitt ab. Werdende Mütter wägen immer häufiger Vor- und Nachteile einer normalen Geburt gegenüber einem Kaiserschnitt ab. Wann ein Kaiserschnitt die bessere Lösung ist und wann eine normale Geburt empfohlen wird, erfährst du in diesem Artikel.

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Inhalt:

Jede dritte Geburt per Kaiserschnitt

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen eine klare Entwicklung: Immer mehr Kinder in Deutschland kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Gleichzeitig bestätigt sich, wie entscheidend eine bewusste Entscheidung für den Geburtsmodus für die langfristige Gesundheit von Mutter und Kind ist. 

Rekordwert bei Kaiserschnitten in Deutschland 

Im Jahr 2024 erreichte die Kaiserschnittrate in Deutschland einen neuen Höchststand:
Von insgesamt 654.600 Klinikgeburten wurden rund 215.900 per Kaiserschnitt durchgeführt – das entspricht 33,0 % und damit jeder dritten Geburt. 

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Zum Vergleich: 1991 lag der Anteil noch bei lediglich 15,3 %. Damit hat sich der Anteil in den letzten Jahrzehnten mehr als verdoppelt. 

Neben Kaiserschnitten kamen weitere geburtshilfliche Maßnahmen deutlich seltener zum Einsatz: 

  • 6,7 % der Geburten mit Saugglocke 
  • 0,2 % mit Geburtszange 
  • 60,1 % auf natürlichem Weg 

Diese Zahlen verdeutlichen: Obwohl die natürliche Geburt weiterhin die häufigste Form ist, nimmt die Bedeutung des Kaiserschnitts stetig zu. 

Regionale Unterschiede zeigen klare Trends 

Auffällig sind die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands: 

  • Höchste Kaiserschnittrate: Hamburg (36,4 %) 
  • Gefolgt von Saarland (35,9 %) und Hessen (35,6 %) 
  • Niedrigste Rate: Sachsen (27,4 %), Brandenburg (27,6 %), Berlin (29,9 %) 

Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass neben medizinischen Faktoren auch strukturelle, kulturelle und persönliche Entscheidungen eine Rolle spielen. 

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Kaiserschnitt statt natürlicher Geburt – medizinische Gründe

Es gibt einige medizinische Gründe, bei denen eine Geburt per Kaiserschnitt von Ärzten angeraten wird. Hierbei wird in absolute Gründe (medizinisch: absolute Indikation) und relative Gründe (medizinisch: relative Indikation) unterschieden. Bei einer absoluten Indikation ist der Kaiserschnitt die einzige Option, bei einer relativen Indikation ist der Kaiserschnitt noch verhandelbar und muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Absolute Indikatoren für einen Kaiserschnitt sind beispielsweise:

  • Querlage des Kindes
  • Ein Riss in der Gebärmutter oder das Risiko dafür
  • Mutterkuchen liegt vor dem Gebärmutterhals
  • Mutterkuchen hat sich vorzeitig abgelöst
  • Fehlbildung des Kindskopfes, sodass er nicht durch das mütterliche Becken passt
  • Fehlbildungen des Kindes, die eine natürliche Geburt erschweren oder unmöglich machen
  • Nabelschnurvorfall mit abgeknickter Nabelschnur
  • Bakterielle Infektion der Fruchthöhle

Relative Indikatoren für einen Kaiserschnitt sind beispielsweise:

  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Verlängerter Geburtsverlauf und damit einhergehende Erschöpfung der Mutter
  • Auffälliges CTG (Herztöne und Wehen nicht regulär)
  • Geburtsstillstand
  • Kindsgewicht über 4500 Gramm und damit verbundenes Risiko, das es nicht durch das mütterliche Becken passt
  • Kindsgewicht unter 1500 Gramm
  • Frühgeburt vor Woche 32
  • Früherer Kaiserschnitt oder OPs an der Gebärmutter

Dein Arzt oder deine Ärztin bespricht mit dir in jedem Fall die Geburt und berät dich, ob eine normale Geburt möglich ist oder ob ein Kaiserschnitt notwendig ist. Du kannst es unter Absprache mit dem Klinikpersonal auch erst einmal auf natürlichem Weg probieren und der Kaiserschnitt ist sozusagen die Notlösung, falls die normale Geburt nicht funktioniert hat.

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Kaiserschnitt ohne medizinische Indikatoren: der Wunsch-Kaiserschnitt

Immer häufiger fragen werdende Mütter ohne medizinische Indikationen nach einer Geburt per Kaiserschnitt. Die Gründe hierfür sind häufig die Angst vor Verletzungen im Genitalbereich oder der Wunsch nach einem exakten Geburtstermin. Auch eine anschließende Sterilisation kann der Grund für einen Wunsch-Kaiserschnitt sein.

Ärzte warnen jedoch davor, den Kaiserschnitt im Gegensatz zu einer normalen Geburt zu idealisieren. Die Nachteile eines Kaiserschnitts sind nämlich nicht zu unterschätzen.

Nachteile für die Mutter:

  • Der Wundheilungsprozess dauert länger: Die Kaiserschnittnarbe muss verheilen und bereitet auch Tage und Wochen nach dem Kaiserschnitt noch Schmerzen.
  • Du musst länger im Krankenhaus bleiben, da du nach der OP geschwächt bist.
  • Die Schmerzen der Schnittwunde lenken dich von deinem Baby ab. Eventuell ist davon auch die Milchproduktion betroffen – es kann zu Verzögerungen des Milcheinschusses

Nachteile für das Baby:

  • Erhöhtes Risiko für Übergewicht, Allergien oder Asthma: Da das Kind nicht durch den Geburtskanal gepresst wird, kommt seine Haut nicht mit der dortigen Bakterienflora in Berührung. Studien zeigen, dass diese Bakterien die Gesundheit des Babys nachhaltig fördern beziehungsweise dass das Fehlen der Bakterien das spätere Risiko für Übergewicht, Allergien oder Asthma beim Kind erhöhen. Auch Neurodermitis kann eine Spätfolge sein.
  • Erhöhtes Risiko für Durchfall und schwächeres Immunsystem: Bei der natürlichen Geburt schlucken Babys das Vaginalsekret der Mutter. Dieses enthält wichtige Bakterien, die für den Aufbau einer gesunden Darmflora entscheidend sind. Die Geburt durch Kaiserschnitt ist hingegen fast steril. Kaiserschnitt-Babys haben demzufolge später häufiger Durchfallerkrankungen und ein schwächeres Immunsystem.

Lungenatmung verzögert sich: Weil das Baby nicht durch den engen Geburtskanal muss, wird auch das Fruchtwasser nicht aus den Lungen gedrückt und muss stattdessen abgesaugt werden. Das kann in manchen Fällen bedeuten, dass das Neugeborene nicht richtig atmen kann und einige Tage auf der Intensivstation verbringen muss.

Normale Geburt – das spricht dafür

Es lässt sich sagen, dass eine natürliche Geburt entscheidende gesundheitliche Vorteile gegenüber einem Kaiserschnitt bringt. Sie ist das, was die Natur für Mutter und Kind vorgesehen hat.

Wenn medizinisch kein Kaiserschnitt notwendig ist, sprechen unter anderem folgende Vorteile für eine natürliche Geburt:

  • Das Risiko für Blutungen, Thrombosen oder Infektionen liegt bei natürlichen Geburten wesentlich niedriger als bei Kaiserschnittgeburten.
  • Der stationäre Krankenhausaufenthalt ist bei einer natürlichen Geburt kürzer als beim Kaiserschnitt. Das macht die Versorgung des Neugeborenen sowie etwaiger Geschwisterkinder deutlich einfacher.
  • Die Milchversorgung des Babys ist oft unmittelbarer: Während nach dem Kaiserschnitt die Mutter unter Schmerzen und Unbeweglichkeit leidet, sind Mütter nach einer natürlichen Geburt oft schneller in der Lage, ihr Neugeborenes mit Muttermilch zu versorgen. Das liegt auch daran, dass natürlich geborene Babys oft unmittelbar nach der Geburt angelegt werden und der Milchfluss so auf natürliche Weise in Schwung gebracht wird.
  • Normal geborene Kinder haben aufgrund der vaginal vorkommenden Bakterien und den Kontakt mit Ihnen ein stärkeres Immunsystem und eine gesündere Darmflora.
  • Das Risiko für spätere Allergien, Asthma oder Übergewicht ist bei normal geborenen Babys geringer.

Natürliche Geburt – Ängste und Nachteile

Frauen, die sich einen Kaiserschnitt wünschen, haben häufig Angst vor den Geburtsschmerzen einer natürlichen Geburt sowie vor den Folgeschäden wie Dammrissen oder Schädigungen des Beckenbodens. Dammrisse und Dammschnitte heilen nach der Geburt wieder ab und sind normale Begleiterscheinungen nach natürlichen Geburten. Wer Angst vor einem Dammschnitt hat, sollte sich vor Augen halten, dass die Kaiserschnittnarbe ebenso schmerzt und eine Weile braucht, bis sie vollständig verheilt ist.

Beckenbodentraining kann Schäden am Beckenboden vorbeugen. Selbst nach der Geburt hilft ein solches Training im Rahmen der Rückbildung, den Beckenboden zu regenerieren. Nur bei stark übergewichtigen Frauen oder sehr großen Babys könnte ein Kaiserschnitt die bessere Alternative zur natürlichen Geburt sein, wenn es um den Beckenboden geht. Sprich hier am besten mit deinem Arzt oder deine Ärztin über Komplikationen und Risiken.

Wichtiger Hinweis: Nabelschnurblut kann bei beiden Geburtsformen gewonnen werden

Ein Aspekt, der werdenden Eltern häufig nicht bewusst ist:
Die Entnahme von Nabelschnurblut ist sowohl bei einer natürlichen (vaginalen) Geburt als auch bei einem Kaiserschnitt problemlos möglich. 

Das bedeutet: 

  • Die Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt hat keinen Einfluss auf die Möglichkeit der Nabelschnurblut-Einlagerung 
  • Eltern können sich unabhängig vom Geburtsmodus für die Vorsorge ihres Kindes entscheiden 
  • Die Entnahme erfolgt direkt nach der Geburt, sicher und ohne Risiko für Mutter und Kind 

Gerade vor dem Hintergrund der steigenden Kaiserschnittrate ist diese Information besonders wichtig, da sie Eltern zusätzliche Sicherheit bei ihrer Geburtsplanung gibt. 

Fazit: Kaiserschnitt – Bewusste Entscheidung statt Trend

Die steigende Kaiserschnittrate zeigt, wie wichtig Aufklärung und individuelle Beratung sind. 

Kernaussage:

  • Ein Kaiserschnitt ist unverzichtbar, wenn medizinisch notwendig 
  • Eine natürliche Geburt bietet jedoch deutliche gesundheitliche Vorteile, wenn sie möglich ist 

Für werdende Eltern bedeutet das:
Informieren, abwägen und gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal die beste Entscheidung treffen. 

Denn jede Geburt ist einzigartig – und sollte genauso individuell begleitet werden.

Quellen

Statistisches Bundesamt (Destatis). (2026, 4. Mai). 
Kaiserschnittrate im Jahr 2024 mit 33,0 % auf Höchststand [Pressemitteilung Nr. N028]. 
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_N028_23.html 

Über die Autorin

Dr. Heike Thüring-Nahler

Diplom-Biologin (Promotion, Mikrobiologie und Klinische Immunologie, FAU Erlangen-Nürnberg).

Über 20 Jahre Erfahrung im Vertrieb in Diagnostik, Pharma und Bioscience.

Langjährig tätig für die Stammzellbank Vita 34, seit 2020 im Commercial Bereich und als KOL Managerin.

Dr. Heike Thüring-Nahler

FAQ: Kaiserschnitt oder natürliche Geburt - Kaiserschnitt oder normale Geburt

Was ist der Unterschied zwischen einem Kaiserschnitt und einer natürlichen Geburt?

+

Bei einer natürlichen Geburt kommt das Baby vaginal zur Welt. Beim Kaiserschnitt wird das Kind durch einen operativen Eingriff über einen Schnitt in Bauchdecke und Gebärmutter geboren. Ein Kaiserschnitt kann medizinisch notwendig sein oder auf Wunsch der Mutter erfolgen.

Wann ist ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig?

+

Ein Kaiserschnitt wird empfohlen, wenn Risiken für Mutter oder Kind bestehen. Absolute medizinische Gründe sind zum Beispiel:

  • Querlage des Babys
  • Plazenta vor dem Gebärmutterhals
  • Gebärmutterriss oder hohes Risiko dafür
  • Nabelschnurvorfall
  • schwere Fehlbildungen des Kindes

In diesen Fällen ist eine natürliche Geburt meist nicht möglich oder zu gefährlich.

Was sind relative Gründe für einen Kaiserschnitt?

+

Relative Gründe bedeuten, dass individuell entschieden werden muss. Dazu zählen:

  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Geburtsstillstand
  • auffälliges CTG
  • sehr hohes oder sehr niedriges Geburtsgewicht
  • Frühgeburt vor der 32. Schwangerschaftswoche
  • früherer Kaiserschnitt

Hier wägen Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit der Schwangeren die Risiken und Möglichkeiten ab.

Was ist ein Wunsch-Kaiserschnitt?

+

Ein Wunsch-Kaiserschnitt ist eine Geburt per Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit. Gründe dafür können Angst vor Geburtsschmerzen, Sorge vor Verletzungen im Intimbereich oder der Wunsch nach einem planbaren Geburtstermin sein.

Welche Nachteile hat ein Kaiserschnitt für die Mutter?

+

Ein Kaiserschnitt ist eine Operation und kann folgende Nachteile mit sich bringen:

  • längerer Heilungsprozess
  • Schmerzen an der Kaiserschnittnarbe
  • längerer Krankenhausaufenthalt
  • eingeschränkte Beweglichkeit nach der Geburt
  • verzögerter Milcheinschuss

Die Erholung dauert häufig länger als nach einer natürlichen Geburt.

Welche Nachteile kann ein Kaiserschnitt für das Baby haben?

+

Studien zeigen, dass Kaiserschnitt-Babys häufiger:

  • Allergien,
  • Asthma,
  • Übergewicht,
  • Neurodermitis oder
  • ein schwächeres Immunsystem entwickeln können.

Außerdem kann sich die Lungenatmung verzögern, da bei der Geburt weniger Fruchtwasser aus der Lunge gedrückt wird.

Warum hat die natürliche Geburt Vorteile für das Immunsystem des Babys?

+

Bei einer vaginalen Geburt kommt das Baby mit wichtigen Bakterien aus dem Geburtskanal in Kontakt. Diese unterstützen den Aufbau einer gesunden Darmflora und stärken langfristig das Immunsystem.

Welche Vorteile hat eine natürliche Geburt für die Mutter?

+

Zu den Vorteilen einer natürlichen Geburt zählen:

  • geringeres Risiko für Infektionen und Thrombosen
  • kürzerer Krankenhausaufenthalt
  • schnellere körperliche Erholung
  • früherer Beginn des Stillens
  • schnellere Bindung zwischen Mutter und Baby

Ist eine natürliche Geburt schmerzhafter als ein Kaiserschnitt?

+

Die natürliche Geburt ist mit Geburtsschmerzen verbunden. Allerdings verursacht auch ein Kaiserschnitt Schmerzen durch die Operationswunde und die Heilung der Narbe. Viele Frauen sind nach einer natürlichen Geburt insgesamt schneller wieder mobil.

Können natürliche Geburten den Beckenboden schädigen?

+

Eine vaginale Geburt kann den Beckenboden belasten. Rückbildung und gezieltes Beckenbodentraining helfen jedoch meist bei der Regeneration. Besonders bei sehr großen Babys oder starkem Übergewicht kann ein Kaiserschnitt im Einzelfall sinnvoll sein.

Ist ein Kaiserschnitt sicherer als eine natürliche Geburt?

+

Nicht grundsätzlich. Ohne medizinische Gründe überwiegen meist die Vorteile der natürlichen Geburt. Wenn jedoch Risiken für Mutter oder Kind bestehen, ist ein Kaiserschnitt oft die sicherere und bessere Option.

Kann man nach einem Kaiserschnitt später natürlich gebären?

+

Ja, häufig ist eine natürliche Geburt nach einem früheren Kaiserschnitt möglich. Ob dies empfohlen wird, hängt von der individuellen Situation und möglichen Risiken ab.

Wie lange dauert die Erholung nach einem Kaiserschnitt?

+

Die Heilung nach einem Kaiserschnitt dauert meist mehrere Wochen. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können länger anhalten als nach einer natürlichen Geburt.

Was ist besser: Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

+

Wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, wird eine natürliche Geburt meist empfohlen, da sie gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind bietet. Ist ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig, ist er die sicherste Entscheidung für beide.

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