Literaturservice Januar 2016

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe Januar 2016

Inhaltsverzeichnis

  1. In eigener Sache: 30. Transplantation eines bei Vita 34 eingelagerten Nabelschnurpräparates
  2. Fachartikel: Die erste autologe Nabelschnurbluttransplantation bei einem Kind mit Neuroblastom
  3. Fachartikel: Fallbericht zur autologen Nabelschnurblutgabe bei einem Kind mit Stadium 4 Neuroblastom
  4. Fachartikel: Kombination von autologen Stammzellpräparaten aus Nabelschnurblut und Knochenmark
  5. Fachartikel: Erhöhte Überlebensrate bei Patienten durch die Therapie mit autologem Nabelschnurblut
  6. Weitere Quelle: kinderkrebsinfo.de

 

Den Literaturservice 01/2016 können Sie auch als PDF-Datei zum Ausdrucken und Offline-Lesen hier herunterladen: Literaturservice Januar 2016.

 


 

In eigener Sache: 30. Transplantation eines bei Vita 34 eingelagerten Nabelschnurpräparates

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus aktuellem Anlass haben wir uns entschieden, Sie heute mit den neuesten Informationen und Artikeln zur Transplantation von Nabelschnurblutstammzellen im Bereich eines diagnostizierten Neuroblastoms zu versorgen.

An einem der letzten Tage des vergangenen Jahres fand in Spanien die 30. Transplantation eines bei Vita 34 eingelagerten Nabelschnurpräparates statt. Behandelt wurde ein kleines Mädchen, das an einem Neuroblastom erkrankt war, mit seinem eigenen Nabelschnurblut. Die Transplantation verlief komplikationslos, das Mädchen konnte aus dem Krankenhaus entlassen werden und es geht ihr gut.

Dies war die 20. autologe Transplantation mit einem bei Vita 34 gelagerten Stammzelldepot.

Bei dem Neuroblastom handelt es sich um eine Krebserkrankung, welche mit ca. acht Prozent zu den häufigsten bösartigen Neubildungen im Kindesalter zählt. In der Mehrzahl der Fälle beschreibt die Erkrankung einen Tumor, der sich aus autonomem Nervengewebe entlang der Wirbelsäule bildet. Mit etwa 70% der Erkrankungen befindet sich die Mehrzahl der Tumore im Bauchraum. Bei dieser Art Krebserkrankung verbleiben die Tumorzellen in einem unreifen Stadium, den sogenannten Neuroblasten. Die Erkrankung kann sich in nahegelegenen Lymphknoten ausbreiten aber auch Metastasen in entfernten Lymphknoten, der Leber oder dem Knochenmark gehören häufig zum Krankheitsbild.

Es kann in seltenen Fällen zu einer spontanen Tumorregression kommen. Die Haupttherapiemöglichkeiten bestehen in der Regel jedoch in einer Kombination von Operation und Chemotherapie. Daran kann sich eine Bestrahlung der Tumorregion anschließen und zusätzlich Behandlungen mit Retinsäure erfolgen.

Bei einer Hochdosis-Chemotherapie kommt es häufig zu einer Chemotherapie-assoziierten Anämie, welche zur Folge hat, dass die Blutbildung des Patienten irreversibel beeinträchtigt sein kann. Eine anschließende autologe Stammzelltransplantation dient der Wiederherstellung der Blutbildung des Immunsystems.

Mit den spannenden, ergänzenden Literaturstellen zu den durchgeführten Behandlungen eines Neuroblastoms mit autologen Nabelschnurpräparaten wünsche ich Ihnen viel Freude.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Susan Hetz

Teamleiterin Kundenservice

 


 

Die erste autologe Nabelschnurbluttransplantation bei einem Kind mit Neuroblastom

Einen mitreißenden Bericht zur wahrscheinlich ersten autologen Nabelschnurbluttransplantation bei Neuroblastom gab es bereits 1999 aus Brasilien. Der Arzt E. Ferreira beschreibt den Verlauf einer Akuten Myeloischen Leukämie bei einem fünfjährigen Jungen. Erst die zweite Transplantation allogenen Knochenmarks konnte dem Jungen helfen. Dieser Schicksalsschlag führte dazu, dass die Eltern sich entschieden, bei der Geburt Ihres zweiten Kindes das Nabelschnurblut einzulagern, um ein HLA-identisches Stammzellpräparat sicher aufzubewahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Nabelschnurblut die gleichen Gewebemerkmale aufweist, liegt bei 25%.

Als Sie jedoch für die gut einjährige Tochter die Diagnose Neuroblastom im Stadium 4 erhielten, entschieden Sie sich, das Nabelschnurblut autolog für ihr Kind einzusetzen. Die Tochter wurde zunächst mit einem umfangreichen chirurgischen Eingriff und danach mit einer milden Chemotherapie behandelt. Die anschließende Transplantation des autologen Stammzellpräparates führte zu einer schnellen Verbesserung des Gesundheitszustandes. Die Ärzte berichten vierzehn Monate nach der Behandlung von einer kompletten Remission und gaben einen Karnofsky-Index von 100% für die Patientin an, was bedeutet, dass es keinerlei Symptome oder Einschränkungen in der selbstbestimmten Aktivität mehr gab.

 

Quelle:

Autologous cord blood transplantation. Ferreira E et al., 1999

zum Abstract

 


 

Fallbericht zur autologen Nabelschnurblutgabe bei einem Kind mit Stadium 4 Neuroblastom

Eine Vergrößerung in der linken Nierengegend veranlasste die Eltern einen kleinen Mädchens in Taiwan, in ein Krankenhaus zu fahren. Nach ausführlichen Untersuchungen stellten die Ärzte dann einen Tumor fest, der eine Größe von etwa 12 cm hatte und sich direkt an der linken Nebenniere befand. Die anschließende Biopsie bestätigte die Diagnose durch das Auffinden von Neuroblasten, welche neuronenspezifische Enolase und Snyptophysin produzierten. Durch den Nachweis von Metastasen im Knochenmark wurde das Erkrankungsstadium dann auf die Stufe vier festgelegt. Aufgrund der Schwere der Erkrankung entschieden sich die Ärzte für eine aggressive Chemotherapie in mehreren Zyklen. Die Eltern des Mädchens hatten das Nabelschnurblut in einer privaten Bank eingelagert. Die Ärzte entschieden sich dafür, das Nabelschnurblut nach der Chemotherapie zu transfundieren. Die Spanne zwischen Transplantation und Engraftment der Neutrophilen und der Blutplättchen wurde mit 12 bis 15 Tagen angegeben. Es gab keine Komplikationen. Im Anschluss konnte der stark zurückgebildete Haupttumor von etwa 4 cm chirurgisch entfernt werden und auch 24 Monate nach der Behandlung beschrieben die Ärzte den Gesundheitszustand der Patientin als sehr positiv.

 

Quelle

Autologous cord blood transplantation in a child with stage 4 neuroblastoma. Wu K-H et al., 2013.

zum Abstract

 


 

Kombination von autologen Stammzellpräparaten aus Nabelschnurblut und Knochenmark

In einem Bericht von türkischen Ärzten wird ein weiterer Fall beschrieben. Es handelte sich um einen dreieinhalb Jahre alten Jungen, bei dem der Tumor auch an der Nebenniere gefunden wurde. Das Ausmaß des Tumors wurde mittels Magnetresonanztomographie festgestellt und betrug 10x7x12 cm. Die Biopsie des Tumors und weitere Untersuchungen wie der Nachweis der neuronenspezifischen Enolase und die Metastasierung ins Knochenmark bestätigten die Vermutung, dass es sich um ein Neuroblastom handelte und die Ärzte legten sich auch hier auf ein Stadium vier fest. Nach einer aggressiven Chemotherapie konnte eine Verkleinerung des Tumors um 25 % aufgezeigt werden. Gemäß den Empfehlungen der Türkischen Pädiatrischen Gruppe für Onkologie zur Behandlung von Neuroblastomen wurde der Patient auch nach der chirurgischen Entfernung des Residualtumors weiter mit Chemotherapie und Bestrahlung behandelt.

Dem Jungen wurden direkt nach dem ersten Zyklus der Chemotherapie körpereigene periphere Blutstammzellen abgenommen und aufbewahrt. Als man diese Zellen aber nach der Chemotherapie anwenden wollte, wurden nur eine ungenügende Anzahl der benötigen CD34+-Stammzellen gefunden und die Ärzte konnten das Präparat nicht anwenden. Aus den Angaben in der Veröffentlichung geht hervor, dass die Ärzte zu diesem Zeitpunkt in Kenntnis gesetzt wurden, dass es ein autologes Nabelschnurblutpräparat für den Jungen gibt, welches bei einer privaten Nabelschnurblutbank aufbewahrt wird. Die Ärzte entschieden sich, die beiden Präparate gemeinsam zu verwenden, um einen optimalen Behandlungsverlauf zu ermöglichen. Der Krankheitsverlauf wird von der Arbeitsgruppe als sehr positiv beschrieben. Ergänzt wurde die Therapie durch eine Retinsäuregabe über sechs Monate. Die Autoren sprechen sich für die Anwendung autologer Nabelschnurblutpräparate aus, da sie sowohl die Qualität als auch die Quantität als sehr positiv bewerten. Auch die Kombination aus beiden Stammzellquellen wird als geeignete Therapie herausgestellt, um für die Patienten eine bestmöglichen Genesungsverlauf zu erreichen.

 

Quelle:

Autologous cord blood transplantation in neuroblastoma. Erbey F et al., 2015.

zum Abstract

 


 

Erhöhte Überlebensrate bei Patienten durch die Therapie mit autologem Nabelschnurblut

Eine umfassendere Studie wurde kürzlich von einer chinesischen Arbeitsgruppe veröffentlicht. Es wurden vier Patienten mit diagnostiziertem Neuroblastom im Anschluss an die Chemotherapie mit autologem Nabelschnurblut behandelt. Einer der Patienten bekam 16 Monate nach der Behandlung einen Rückfall und verstarb an seiner Erkrankung. Die Langzeitüberlebenschance bei Neuroblastom der Stufe vier wird von der Arbeitsgruppe mit 30 % angegeben.

Die vier Patienten waren zum Zeitpunkt der Diagnose zwischen 11 und 64 Monate alt und der Primärtumor befand sich jeweils an der Nebennierenrinde. Alle Patienten hatten bereits Metastasen im Knochen oder sogar im Knochenmark. Die Therapie wurde jeweils mit einer Chemotherapie begonnen. Im weiteren Verlauf wurden bei allen Patienten die Primärtumore chirurgisch entfernt und eine lokale Bestrahlungstherapie angewendet. Einem der Patienten musste zusätzlich ein Teil der Leber entfernt werden, da sich dort bereits Metastasen ausgebreitet hatten. Ein weiterer Patient bekam zusätzliche Behandlungen mit Zytostatika. Alle vier Patienten wurden parallel mit einer immunmodulierenden Therapie behandelt, um das Engraftment des autologen Stammzellpräparates zu verbessern. Alle Patienten erhielten 203 bis 315 Tage nach der Diagnose ihr eigenes Nabelschnurblut, welches jeweils in privaten Stammzellbanken aufbewahrt wurde. Als parallele Erscheinung traten bei drei der vier Patienten nach der Transplantation bakterielle Infektionen auf, die teilweise zu Diarrhö führten. Bei einem Patienten wurde eine Virusinfektion im Respirationstrakt nachgewiesen.

Bei drei der vier Patienten berichten die Autoren von einem positiven Krankheitsverlauf. Die Studie wurde 23 bis 91 Monate nach der jeweiligen Stammzelltransplantation veröffentlicht und die Patienten waren nach Angaben der Ärzte ohne Krankheitssymptome. Einer der Patenten erlitt leider 16 Monate nach der autologen Nabelschnurbluttransplantation einen Rückfall und verstarb 28 Monate nach der Behandlung an seiner Erkrankung. Schlussendlich betonten die Autoren, dass die Verwendung von Nabelschnurblutpräparaten bei der autologen Stammzelltransplantation zu einer erhöhten Überlebensrate führt.

 

Quelle:

Autologous cord blood transplantation for metastatic neuroblastoma. Ning B, et al., 2015.

zum Abstract

 


 

Weitere Quellen

Als weitere Quelle möchte ich Ihnen gern die Internetseite der kinderkrebsinfo angeben, auf der Sie weitere umfassende Informationen zur Erkrankung des Neuroblastoms finden.

kinderkrebsinfo.de > Erkrankungen > Weitere Solide Tumore > Neuroblastom