Literaturservice Juli 2014

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe Juli 2014

service-literaturserviceInhaltsverzeichnis

  1. Fachartikel: Transplantation mesenchymaler Stammzellen aus der Nabelschnur bei aktivem und refraktärem systemischen Lupus erythematodes: eine Multicenter-Studie
  2. Fachartikel: Autologe mesenchymale Stammzelltherapie bei progressiver supranukleärer Blickparese: Phase I kontrollierte, randomisierte Studie
  3. Fachartikel: Mesenchymale Stammzellen aus der Nabelschnur verbessern signifikant die neurologischen Folgen einer traumatischen Hirnverletzung

 


 

Transplantation mesenchymaler Stammzellen aus der Nabelschnur bei aktivem und refraktärem systemischen Lupus erythematodes: eine Multicenter-Studie

In einer Multicenter-Studie erhielten 40 Patienten mit systemischen Lupus erythematodes (SLE), deren Erkrankung nicht auf immunsupprimierende Therapien ansprach, aufgereinigte mesenchymale Stammzellen aus der Nabelschnur (UC-MSC) als iv-Infusion. Die klinische Erfolgsrate (komplettes oder partielles Ansprechen) betrug ein Jahr nach Stammzellgabe 60 %.

SLE zählt zu den Autoimmunerkrankungen und ist durch akute und chronische Entzündungsreaktionen in zahlreichen Organen und Geweben des Körpers charakterisiert. Mesenchymale Stammzellen gelten als vielversprechender Kandidat zur Therapie von Autoimmunerkrankungen, da sie immunmodulierende Wirkungen auf T- und B-Zellen ausüben. Die 40 SLE-Patienten erhielten je eine UC-MSC-Infusion von jeweils 1 Millionen Zellen/kg KG an Tag 0 und 7. Die Krankheitsaktivität wurde mit Hilfe verschiedener Scores, serologischer Untersuchungen und Organfunktionstests nach 3, 6, 9 und 12 Monaten nach Stammzellgabe bestimmt. Während des 12-monatigen Follow-up zeigten 32,5 % (13/40) der Patienten ein komplettes und 27,5 % (11/40) ein partielles klinisches Ansprechen auf die Therapie. Die renalen Symptome der aktiven Lupusnephritis, die 38 Patienten zu Studienbeginn aufwiesen, verbesserten sich nach 12 Monaten. Innerhalb dieses Zeitraumes wurde auch die Reduktion von Autoantikörpern nachgewiesen. Die zusätzliche Gabe immunsupprimierender Substanzen konnte ebenfalls reduziert werden.

Insgesamt führte die UC-MSC-Transplantation bei refraktären Lupus Patienten zur klinischen Remission. Da jedoch bei einigen Patienten eine Langzeitremission ausblieb, sollte in weiteren Studien eine Wiederholung der UC-MSC-Therapie nach z.B. 6 Monaten untersucht werden.

 

Quelle:

Umbilical cord mesenchymal stem cell transplantation in active and refractory systemic lupus erythematosus: a multicenter clinical study
Arthritis Res Ther 2014 Mar 25, 16: R79 (Epub ahead of print)

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Autologe mesenchymale Stammzelltherapie bei progressiver supranukleärer Blickparese: Phase I kontrollierte, randomisierte Studie

Die progressive supranukleäre Blickparese (PSP) ist eine neurodegenerative Erkrankung – ähnlich der Parkinson Erkrankung – die zu Problemen beim Bewegen und Halten des Gleichgewichtes sowie bei der Augen-, Sprech- und Schlucksteuerung führt. Bis heute ist keine wirksame Therapie vorhanden. Autologe Knochenmark (BM) mesenchymale Stammzellen (MSC) sind möglicherweise in der Lage, den progredienten Verlauf der Erkrankung zu stoppen. In einer prospektiven, randomisierten SHAM-kontrollierten Studie soll die Sicherheit und Wirksamkeit autologer BM-MSC nach intraarterieller Infusion bei PSP-Patienten evaluiert werden (Studienregistrierung NCT 01824121).

Die klinische Studie beginnt mit einer Pilotphase: Zunächst erhalten 5 Patienten die zelluläre Therapie und nach 2 Monaten werden die Daten zur Sicherheit von einem „Safety Monitoring Board“ überprüft. Erst dann beginnt die randomisierte Studie, in der 10 Patienten die eigenen BM-MSC intraarteriell über ein Kathetersystem von der A. femoralis bis zur A. vertebralis infundiert bekommen. Weitere 10 PSP-Patienten erhalten eine Schein-Infusion. Nach 6 Monaten werden den Patienten mit SHAM-Prozedur die BM-MSC infundiert und umgekehrt. Alle Patienten werden vor der Zelltherapie und 6, 12 bzw. 18 Monate nach Studienbeginn untersucht. Die Pilotgruppe wird zusätzlich noch 2 Monate nach BM-MSC-Gabe bewertet. Beurteilt werden die Stabilisierung oder Verbesserung der motorischen Funktionen sowie neuropsychologische Parameter. Weiterhin sollen Methoden des Neuroimagings u.a. Auskünfte über die neuroprotektiven Eigenschaften der MSC geben.

Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, MSC-Therapien auch in anderen neurodegenerativen Erkrankungen zu nutzen.

 

Quelle:

Autologous mesenchymal stem cell therapy for progressive supranuclear palsy: translation into a phase I controlled, randomized clinical study
J Transl Med 2014, 12:14, DOI: 10. 1186/1479-5876-12-14

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Mesenchymale Stammzellen aus der Nabelschnur verbessern signifikant die neurologischen Folgen einer traumatischen Hirnverletzung

Die Transplantation mesenchymaler Stammzellen aus der Nabelschnur (UC-MSC) führte innerhalb von 6 Monaten nach Zelltherapie zu Verbesserungen der neuronalen Schädigung bei Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzung.

Patienten, die eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung überlebt haben, sind häufig in ihren geistigen und körperlichen Fähigkeiten eingeschränkt. Um zu untersuchen, ob UC-MSC zu einer Verbesserung neurologischer Funktionen führen, wurden 40 Patienten mit Folgeschäden einer Schädel-Hirn-Verletzung in Therapie (n=20)- und Kontrollgruppe (n=20) randomisiert. Beide Gruppen waren vom Grad der Behinderung vergleichbar.

Ein Einschlusskriterium der Studie war, dass die Schädel-Hirn-Verletzung mehr als ein Jahr zurücklag, da sich nach dieser Zeit kaum noch Verbesserungen der Behinderungen bei den Patienten z.B. durch Reha-Maßnahmen einstellen. Die Patienten der Stammzell-Gruppe erhielten 4 UC-MSC-Transplantationen innerhalb von 5 bis 7 Tagen über eine Lumbalpunktion in den Subarachnoidalraum. Nach 6 Monaten wurden motorische Funktionalität, Balance und sensorische Empfindungen sowie die kognitiven Fähigkeiten mit Hilfe verschiedener Bewertungs-Scores in den beiden Gruppen überprüft. Die UC-MSC-Transplantation führt signifikant zu einer Verbesserung zahlreicher neurologischer Funktionen.

In der Kontroll-Gruppe konnten keine Verbesserungen nach 6 Monaten nachgewiesen werden. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse, dass UC-MSC bei Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen zu Verbesserungen der körperlichen und geistigen Fähigkeiten führen, dennoch müssen multizentrische randomisierte klinische Studien mit größeren Patientenzahlen die UC-MSC Transplantation als vielversprechende Therapie bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems bewerten.

 

Quelle:

Umbilical cord mesenchymal stem cell transplantation significantly improves neurological function in patients with sequelae of traumatic brain injury
Brain Res 2013, 1532: 76-84

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