Literaturservice März 2014

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe März 2014

Inhaltsverzeichnis

  1. Fachartikel: Durchführbarkeit der Gabe von autologem Nabelschnurblut bei Neugeborenen mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathien
  2. Fachartikel: Mesenchymale Stammzellen bei Bronchopulmonaler Dysplasie (Phase 1)
  3. Fachartikel: Mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurgewebe bei Multipler Sklerose

 


 

Durchführbarkeit der Gabe von autologem Nabelschnurblut bei Neugeborenen mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathien

An der Duke University in Durham, USA wurde das klinische Outcome von Reifgeborenen mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie (HIE) untersucht, die zur routinemäßig durchgeführten Hypothermiebehandlung in den ersten 72 Lebensstunden zusätzlich ihr eigenes Nabelschnurblut (NSB) erhielten.

Untersucht wurde unter anderem, ob es praktikabel sei, NSB bei Hochriskogeburten zu entnehmen, zu präparieren und es in den ersten postnatalen Tagen wieder zu reinfundieren. Zudem wurden die Reaktionen der Neugeborenen auf die NSB-Infusionen bewertet. Das klinische Outcome der NSB-Empfänger bei Entlassung (Mortalität, orale Nahrungsaufnahme) und nach einem Jahr (pädiatrischer Entwicklungstest) wurde mit dem der Kinder, die kein NSB erhalten hatten, verglichen.

Die Hypothermie ist bisher die einzige Erfolg versprechende Therapieoption bei Reifgeborenen mit HIE. Dennoch versterben über 30 % der Kinder oder überleben mit Behinderungen. Die Hypothese ist, dass NSB den neuroprotektiven Effekt der Hypothermie erhöhen könnte, da zahlreiche präklinische Daten dies vermuten lassen.

In der NSB-Gruppe wurden 23 Säuglinge mit HIE gekühlt und erhielten die 1. NSB-Infusion so schnell wie möglich nach der Geburt und bis zu 3 weitere Infusionen 24, 48 und 72 h postnatal. Die Zellzahl betrug  1-5 x 107 Zellen /Dosis. Das NSB wurde volumenreduziert, so dass das Infusionsvolumen pro Dosis für das Neugeborene nur 4,3 ml betrug. Die NSB-Zellen wurden nicht kryokonserviert, da sie unmittelbar nach der Geburt verabreicht wurden. Die Kontrollgruppe bestand aus 83 Reifgeborenen mit HIE, die nur gekühlt wurden.

Es konnten keine signifikanten Nebenwirkungen auf die NSB-Infusionen bei den Neugeborenen beobachtet werden. In der NSB-Gruppe ist keines der Kinder während des HIE-bedingten Krankenhausaufenthaltes verstorben, wohingegen 11 Kinder aus der nur Hypothermie-Gruppe noch im Krankenhaus verstarben. Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Bei Entlassung erhielt ein höherer Prozentsatz der Kinder, die keine NSB-Infusionen erhalten hatten, eine Medikation gegen Krampfanfälle. Auch dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Die 100 %ige orale Nahrungsaufnahme war bei Krankenhausentlassung in beiden Gruppen gleich.

Nach einem Jahr wurden die Kinder einem Bayley-3 Test unterzogen, der die kognitiven, sprachlichen und motorischen Fähigkeiten bewertet. Die einzelnen Aufgaben werden bepunktet, mit Hilfe von Normentabellen in Standardwerte überführt, so dass ein Wert von < 85 als Indikator für schwere Behinderungen gilt. Leider sind nicht alle Kinder nach einem Jahr zu der Bayley-3 Untersuchung erschienen. Bei 18 Kindern aus der NSB-Gruppe und 46 Kindern aus der nur Hypothermie-Gruppe konnte der Test durchgeführt werden. Aus der NSB-Gruppe überlebten 74 % der Kinder und von den nur gekühlten Kindern 41 % nach einem Jahr mit Bayley-3-Werten von > 85.

Um diese ermutigenden Ergebnisse zu validieren, ist jedoch eine randomisierte Doppelblindstudie dringend erforderlich.

 
Quelle:

Feasibility of Autologous Cord Blood Cells for Infants with Hypoxic-Ischemic Encephalopathy
J Pediatr 2014, DOI: 10.1016/j.jpeds.2013.11.036 (Epub ahead of print)

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Mesenchymale Stammzellen bei Bronchopulmonaler Dysplasie (Phase 1)

In einer aktuell veröffentlichten Phase 1 Studie bewerten Mediziner die intratracheale Gabe mesenchymaler Stammzellen aus dem Nabelschnurblut  bei Extrem-Frühgeborenen zur Therapie der Bronchopulmonalen Dysplasie (BPD). In der Stammzellgruppe entwickelte kein Kind eine schwere BPD und  33 % der Frühgeborenen eine mittlere BPD, während in der gematchten historischen Vergleichsgruppe ohne Stammzelltherapie 72 %  der Frühgeborenen eine mittlere oder schwere BPD aufwiesen.

Fortschritte in der Neonatologie haben die Überlebenschancen sehr unreifer Frühgeborener stark erhöht. Jedoch tragen sie ein hohes Risiko eine chronische Lungenerkrankung, die BPD, mit häufig lebenslangen Komplikationen zu entwickeln. Präklinische Daten haben gezeigt, dass mesenchymale Stammzellen zu einer Verbesserung der durch Hyperoxie induzierten Lungenschädigung führen. Aus diesem Grund wurden 9 Frühgeborene, die im Mittel in der 25.

Schwangerschaftswoche mit einem mittleren Geburtsgewicht von 793 g geboren wurden und damit ein hohes Risiko für eine BPD aufwiesen, 10,4 ± 2,6 Tage nach der Geburt mit mesenchymalen Stammzellen intratracheal behandelt. Die Zelltherapie (niedrig- und hochdosiert) führte zu keinen Nebenwirkungen. Die in den Trachealaspiraten gemessene Konzentration an proinflammatorischen Zytokinen, die eine entscheidende Rolle bei der Bildung einer BPD spielen, konnte durch die Gabe mesenchymaler Stammzellen  signifikant reduziert werden. Die Schwere der BPD war bei den Empfängern der mesenchymalen Stammzellen geringer als in der Vergleichsgruppe. Die mesenchymalen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut wurden allogen verabreicht, da sie nur eine geringe Expression des Haupthistokompatibilitätskomplexes (MHC) der Klasse 1 und ein Fehlen der MHC Klasse 2 Moleküle aufweisen. Weiterhin zeigten sie in tierexperimentellen Untersuchungen nur ein geringes Engraftment in der Empfängerlunge und wirkten eher über parakrine, antiinflammatorische, antioxidative und antifibrotische Effekte als über ihre regenerative Kapazität.

Weitere klinische Studien zur intratrachealen Applikation mesenchymaler Stammzellen bei Extrem-Frühgeborenen sind in Planung.

 
Quelle:

Mesenchymal Stem Cells for Bronchopulmonary Dysplasia: Phase 1 Dose-Escalation Clinical Trial
J Pediatr 2014, Jan 28, DOI: 10.1016/j.jpeds.2013.12.011.(Epub ahead of print)

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Mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurgewebe bei Multipler Sklerose

Mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurgewebe zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) befinden sich derzeit in klinischer Erprobung. Eine Phase I/II Studie, die im Januar diesen Jahres startete, soll die Sicherheit und Effektivität der Stammzellbehandlung überprüfen.

Mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe sollen allogen 20 Patienten mit MS einmal pro Tag iv über eine Dauer von 7 Tagen verabreicht werden. Das primäre Ziel der Studie ist, mit der Therapie in Zusammenhang stehende Nebenwirkungen 4, 12 und 52 Wochen nach der Stammzell-Gabe zu bestimmen. Sekundäre Endpunkte zur Beurteilung der Wirksamkeit beinhalten zahlreiche standardisierte neurologische Tests, bildgebende Verfahren (Magnetresonanztomographie) von Gehirn und/oder Rückenmark sowie Befragungen zur Lebensqualität.

Die aufgezählten Untersuchungen sollen zu Studienbeginn und 12 bzw. 52 Wochen nach Stammzell-Therapie durchgeführt werden. Die Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich Ende 2017 erwartet.

 
Quelle:

Feasibility Study of Human Umbilical Cord Tissue-Derived Mesenchymal Stem Cells in Patients With Multiple Sclerosis

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