Literaturservice Oktober 2013

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe Oktober 2013

Inhaltsverzeichnis

  1. Fachartikel:Transplantation von Nabelschnurblut in der regenerativen Zelltherapie und zur Immunmodulation
  2. Fachartikel: Mesenchymale Stammzellen aus der Nabelschnur zur Therapie der aktiven rheumatoiden Arthritis
  3. Fachartikel: Indikationen für autologes Nabelschnurblut – Zeit für eine Strategieänderung

 


 

Transplantation von Nabelschnurblut in der regenerativen Zelltherapie und zur Immunmodulation

Kanadische Wissenschaftler haben durch Recherche verschiedener medizinischer Datenbanken eine Übersicht von Nabelschnurblut (NSB)-Transplantationen im Rahmen der regenerativen Medizin oder zur Immunmodulation von  bereits publizierten und noch laufenden klinischen Studien erstellt.

Das hohe Potenzial der Stamm- und Vorläuferzellen im NSB, in Zellen epithelialer, endothelialer und mesenchymaler Herkunft zu differenzieren, hat dazu geführt, NSB bei Patienten mit nicht-hämatopoetischen Erkrankungen wie in der regenerativen Therapie und der Modulation von refraktären Autoimmunerkrankungen anzuwenden. Um eine Übersicht über publizierte und laufende klinische Studien zu erhalten, wurde eine systematische Suche in verschiedenen medizinischen Datenbanken (Publikationen und klinische Studien) durchgeführt und anschließend wurden die Ergebnisse analysiert.

Die bearbeitete Recherche ergab, dass 20 Publikationen über NSB-Anwendungen bei neuen Indikationen und 47 laufende klinische Studien vorliegen. Weiterhin hat die Analyse gezeigt, dass NSB-Zellen am häufigsten bei neurologischen Erkrankungen eingesetzt werden, gefolgt von Indikationen wie Typ 1 Diabetes und Leberzirrhose. Die Mehrheit der laufenden Studien wird im Bereich der regenerativen Medizin durchgeführt im Vergleich zu immunmodulatorischen Therapien bei Autoimmunerkrankungen. Geografisch sind Asien und die USA in der Anzahl der publizierten und noch laufenden klinischen Studien führend.

Die Auswertung ergibt eine Zunahme der NSB-Transplantation im Rahmen der regenerativen und immunmodulatorischen Therapien.

 

Quelle:

Transplantation of Umbilical Cord Blood – Derived Cells for Novel Indications in Regenerative Therapy or Immune Modulation: A Scoping of Clinical Studies
Biol Blood Marrow Transplant 2013 Sep 22, DOI: 10.1016/j.bbmt.2013.09.010. (Epub ahead of print)

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Mesenchymale Stammzellen aus der Nabelschnur zur Therapie der aktiven rheumatoiden Arthritis

Patienten (n=172) mit aktiver rheumatoider Arthritis (RA), bei denen konventionelle Medikamente kaum eine Wirkung zeigen, wurden parallel zu den Basistherapeutika der RA mit mesenchymalen Stammzellen aus der Nabelschnur (UC-MSC) behandelt. Die Stammzellbehandlung führte in der noch laufenden klinischen Studie (NCT01547091) zu einer signifikanten Verbesserung der Krankheitssymptome.

Insgesamt wurden 136 Patienten mit Basistherapeutika plus UC-MSC behandelt und 36 RA Patienten nur mit den Basistherapeutika ohne UC-MSC. Die Stammzellen (4 x 10 7/40 ml) wurden als iv-Infusion appliziert. Die Kontrollgruppe erhielt iv 40 ml Medium ohne UC-MSC. Nach 3, 6 und 8 Monaten erfolgten neben der Ermittlung der Sicherheit auch Untersuchungen zur Wirksamkeit der Therapie. Als vorläufiges Ergebnis kann festgehalten werden, dass keine schwerwiegenden Nebenwirkungen während oder nach der Infusion beobachtet werden konnten. Allogene UC-MSC scheinen nur leicht immunogen zu sein. Autologe MSC der RA Patienten z.B. aus dem Knochenmark wiesen ein sehr geringes klonogenes und proliferatives Potential auf, so dass allogene Zellen eingesetzt werden müssen, wenn keine eigenen Zellen vor Auftreten der Erkrankung kryokonserviert worden sind.

Die Serumspiegel von Zytokinen, die für zerstörerische Entzündungsprozesse im Knorpelgewebe verantwortlich sind, konnten durch die UC-MSC verringert werden. Die Funktion und Anzahl regulatorischer T-Zellen sind bei RA-Patienten geschwächt und vermindert. Die UC-MSC-Behandlung führte zu einer Erhöhung der regulatorischen T-Zellen im peripheren Blut. Die Erhöhung korrelierte mit der Verbesserung verschiedener international einheitlicher Wirksamkeitskriterien zur Erfolgsermittlung der Therapie. Nach den bisherigen Ergebnissen haben RA Patienten einen klinischen Nutzen von UC-MSC.

 

Quelle:

Human Umbilical Cord Mesenchymal Stem Cell Therapy for Patients with Active Rheumatoid Arthritis: Safety and Efficacy
Stem Cells Dev 2013 Aug 13 (Epub ahead of print)

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Indikationen für autologes Nabelschnurblut – Zeit für eine Strategieänderung

Da eine Reihe von Indikationen für autologes Nabelschnurblut (NSB) wie z.B. bei Typ 1 Diabetes, zerebraler Lähmung und hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie in klinischen Studien vorläufige sehr vielversprechende Ergebnisse aufweisen, schlagen australische Mediziner vor, allogen gespendetes NSB auch für die autologe Reinfusion bei sog. neuartigen Therapien zuzulassen.

Typ 1 Diabetes resultiert aus dem Verlust der immunologischen Selbst-Toleranz, der darauf zurückzuführen ist, dass Anzahl und Funktion der regulatorischen T-Zellen (Tregs) gemindert und beeinträchtigt sind. NSB ist sehr reichhaltig an jungen Tregs und dürfte daher das Potential haben, das Auftreten von Typ1 Diabetes zu verhindern oder zu verzögern. Die derzeit in Australien durchgeführte CoRD Studie untersucht, ob die autologe NSB-Infusion bei Hochrisiko-Kindern mit Serum- Antikörpern gegen multiple ?-Zell-Antigene das Auftreten von Typ 1 Diabetes verhindern kann. Im Unterschied dazu werden die bisherigen klinischen Studien, die autologes NSB einsetzen, alle erst nach Auftreten des Diabetes durchgeführt.

Die Nachfrage autologer NSB-Einlagerungen wird mit Zunahme klinischer Studien steigen. Bisher werden gespendete NSB aus öffentlichen Banken für gut erforschte und anerkannte Indikationen bei onko-hämatologischen Erkrankungen zur hämatopoetischen Rekonstitution bei fremden Empfängern eingesetzt. Die ethische Frage, die geklärt werden muss, ist, ob ein Spender, der ursprünglich für fremde Empfänger NSB gespendet hat, das Recht hat, für neuartige Therapien auf sein eigenes NSB zurückzugreifen. Weitergehende Fragen, die in dem Artikel nicht berücksichtigt wurden, sind, wer für die Kosten der NSB-Asservierung aufkommt, sollte es autolog für neuartige Therapien benötigt werden und dass aus Kostengründen nur ca. 10 – 30 % aller gespendeten NSB in öffentlichen Banken tatsächlich asserviert werden. D.h. gespendetes NSB würde also ohnehin nur in wenigen Fällen autolog zur Verfügung stehen.

Eine Alternative könnten sog. Hybrid-Modelle bieten. Das NSB wird auf eigene Kosten für das Kind eingelagert und im Bedarfsfall für einen fremden Patienten freigegeben. Die Kosten werden dann zurückerstattet.

 

Quelle:

Research using autologous cord blood – time for a policy change
Med J Aust 2013:199: 288-90

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