Literaturservice Mai 2013

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe Mai 2013

Inhaltsverzeichnis

  1. Fachartikel: Erfolgreiche autologe Nabelschnurblut-Transplantation bei einem Kind mit erworbener schwerer aplastischer Anämie
  2. Fachartikel: Stammzellen verkürzen den Heilungsprozess bei großen Knochenlücken
  3. Fachartikel: Heilung von HIV-Infektionen durch hämatopoetische Stammzelltransplantation mit Nabelschnurblut

 


 

Erfolgreiche autologe Nabelschnurblut-Transplantation bei einem Kind mit erworbener schwerer aplastischer Anämie

Ein neunjähriger Junge mit schwerer aplastischer Anämie (SAA) konnte erfolgreich mit seinem eigenen Nabelschnurblut (NSB) nach immunablativer Chemotherapie behandelt werden. Die Autoren diskutieren, dass autolog eingelagertes NSB als initiale Therapie bei SAA in Betracht zu ziehen sei.

Bei einem zuvor gesunden hispanischen neunjährigen Jungen wurde eine erworbene SAA diagnostiziert. Zunächst wurde mit einer immunsuppressiven Therapie (Antithymozytenglobulin, Cyclosporin) und Bluttransfusionen begonnen. Der Junge sprach jedoch nicht auf die Therapie an, so dass eine Stammzelltransplantation indiziert war. Da kein gewebeverträglicher Geschwisterspender zur Verfügung stand und die Stammzelltransplantation von Nicht-Verwandten-Spendern zu deutlich schlechteren Ergebnissen führt, wurde das eigene NSB des Jungen erfolgreich transplantiert.

Zusammenfassend legen diese Befunde nahe, dass für Patienten mit erworbener SAA, die nicht auf eine immunsuppressive Therapie ansprechen, der Einsatz des eigenen NSB (falls verfügbar) vor dem Einsatz von Stammzellen eines fremden Spenders erfolgen sollte.

 
Quelle:

Successful autologous cord blood transplantation in a child with acquired severe aplastic anemia
Pediatr Transplant 2013 Mar 7, DOI: 10.1111/petr.12068 (Epub ahead of print)

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Stammzellen verkürzen den Heilungsprozess bei großen Knochenlücken

Chirurgen der Ruhr-Universität Bochum konnten die Regeneration von mehreren Zentimetern Knochen, der z.B. nach schweren Verletzungen oder Tumoroperationen entfernt werden musste, mit Hilfe autologer Stammzellen aus dem Knochenmark der Patienten beschleunigen und verbessern.

Im Rahmen der Therapie wurde ein Transportseil durch das Knochenmark des verbleibenden oberen und unteren Teils des gesunden Knochens gezogen. Das Bein wurde in der Phase, in der kein belastbarer durchgehender Knochen vorhanden war, durch eine von allen Seiten fest mit dem Bein verbundene Ringstütze stabilisiert. In einer weiteren Operation wurde dann der Knochen im Artikel dargestellten Fall oberen gesunden Bereich getrennt. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Seilzugsystems konnte dann das abgetrennte Knochenstück etwa 1 mm pro Tag entlang der Lücke im Knochen nach unten gezogen werden, um dann mit dem gegenüberliegenden Knochen zu verheilen. In der Lücke, die sich hinter dem verschobenen Knochenstück bildete, verlängerte sich die Knochenhaut stetig, so dass ein neuer Knochenhautschlauch entstand. Nur im Inneren eines Knochenhautschlauches kann sich neuer Knochen bilden.

Dies ist ein sehr langwieriger Prozess: Im Durchschnitt benötigt die Neubildung eines Zentimeters neuen Knochens 49 Tage. In jedem 5. Fall bildet sich nicht genügend neuer Knochen. Hinzu kommt, dass die Komplikationsrate sehr hoch ist. Injiziert man jedoch körpereigene zuvor entnommene Knochenmarkzellen in die Mitte des neu gebildeten Knochenhautschlauchs lässt sich die Bildung von einem Zentimeter neuen Knochen auf im Durchschnitt 37 Tage verkürzen. Die Knochendefekte, die bisher mit Stammzellen behandelt wurden, wiesen im Durchschnitt eine Größe von 8 Zentimetern auf, so dass die Patienten im Mittel mit Stammzellbehandlung 3 Monate schneller geheilt werden konnten.

 
Quelle:

Stem cells fill gaps in bones
Life sciences – rubin – international edition 2013, 42-45

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Heilung von HIV-Infektionen durch hämatopoetische Stammzelltransplantation mit Nabelschnurblut

Eine hämatopoetische Stammzelltransplantation mit Stammzellen von Spendern, die keine Chemokin Rezeptoren des Typ 5 (CCR5) auf der Oberfläche von T-Zellen und Makrophagen tragen, führt zur einzigen bisher bekannten Heilung einer HIV-Infektion. Eine homozygote Mutation des CCR5-Gens findet man jedoch nur bei ca. 1% aller Menschen nordeuropäischer Abstammung. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Gewebemerkmale zwischen Spender und Empfänger übereinstimmen müssen. Nabelschnurblut (NSB) erfordert eine geringere Übereinstimmung der Gewebemerkmale als Knochenmark, so dass Wissenschaftler berechnet haben, dass die Bevorratung von nur 300 NSB mit homozygoter CCR5-Mutation ausreichen würde, um einen Großteil der HIV-Patienten kaukasischer Herkunft transplantieren zu können.

Aus 18.000 untersuchten NSB wurden 121 NSB mit homozygoter CCR5-Mutation identifiziert, so dass davon ausgegangen wird, das ein weiteres Testen von ungefähr 25.000 NSB das Inventar auf 300 erhöhen würde. Anschließend wurden die Wahrscheinlichkeiten für das Vorhandensein in den Gewebemerkmalen übereinstimmender NSB bei Transplantation einer Zelldosis von ? 2,5 x 107 kernhaltiger Zellen/kg KG für pädiatrische und erwachsene Patienten kaukasischer Herkunft berechnet. Die Wahrscheinlichkeit des Auffindens eines passenden NSB beträgt für Kinder 73,6 % und für Erwachsene 27,9 %. Bei einer Zelldosis von ? 1 x 107 nukleärer Zellen pro kg/KG liegen die entsprechenden projizierten Wahrscheinlichkeiten für Kinder bei 85,6 % und für Erwachsene bei 82,1 %. Die errechneten Wahrscheinlichkeiten für ethnische Minderheiten (Afro-Amerikaner, Mexikanische Amerikaner, Chinesische Amerikaner) sind allerdings wesentlich niedriger.

Auslöser für obige Berechnungen war die Transplantation eines NSB mit mutierten CCR5-Rezeptoren bei einem Erwachsenen mit myeloischer Leukämie, der keine HIV-Infektion aufwies. Nachdem die transplantierten Zellen im Knochenmark angewachsen waren und neue Blut- und Immunzellen bildeten, konnte gezeigt werden, dass der Patient periphere mononukleäre Zellen besitzt, die in vitro resistent gegenüber einer HIV-Infektion waren.

Fazit ist, dass HIV-Patienten, bei denen aufgrund einer hämatologischen Malignität eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden muss, nach Möglichkeit mit einem NSB mit homozygoter CCR5-Mutation transplantiert werden sollten.

 
Quelle:

Hematopoietic cell transplantation with cord blood for cure of HIV infections
Biol Blood Marrow Transplant 2013, 19: 393-397

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