Literaturservice April 2013

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe April 2013

Inhaltsverzeichnis

  1. Fachartikel: Die Eigenregeneration des geschädigten Neugeborenen-Gehirns: Steigerung der endogenen Neurogenese mit Hilfe mesenchymaler Stammzellen
  2. Fachartikel: Mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurblut hemmen, mesenchymale Stammzellen aus dem Fettgewebe fördern die Proliferation von Glioblastomzellen
  3. Fachartikel: Vergleich der Transplantation von Nabelschnurblut und Knochenmark / peripheren Blutstammzellen bei Kindern mit Hurler Syndrom

 


 

Die Eigenregeneration des geschädigten Neugeborenen-Gehirns: Steigerung der endogenen Neurogenese mit Hilfe mesenchymaler Stammzellen

Niederländische und amerikanische Wissenschaftler berichten über Stammzelltherapien zur Verhinderung von z.B. hypoxisch-ischämisch bedingten Hirnschäden, um mit Hilfe mesenchymaler Stammzellen die endogene Neurogenese zu fördern und die Funktionen des geschädigten Gehirns wiederherzustellen.

Die schwere hypoxisch-ischämische Enzephalopathie ist mit einer hohen Säuglingssterblichkeit verbunden. Kinder, die die Hirnschädigung überleben, weisen neurologische Defizite wie Zerebralparesen, geistige Retardierung und Krampfanfälle auf. Im Gehirn von Neugeborenen finden zwar postnatal umfangreiche Entwicklungsprozesse statt, jedoch ist es nach einer Schädigung wie der zerebralen Ischämie nur begrenzt zur Regeneration fähig. Eine steigende Anzahl von Studien deutet darauf hin, dass mesenchymale Stammzellen ein vielversprechendes Instrument sein können, um die endogene Neurogenese zu steigern.

Aktuelle Daten zeigen, dass die Gabe mesenchymaler Stammzellen nach hypoxisch-ischämischen Insult deutlich zu einer Reduktion des Läsionsvolumens führt und die Neurogenese stimuliert wird. Nach Stammzell-Transplantation sezernieren die Zellen Faktoren, die endogene regenerative Prozesse im geschädigten Hirn fördern. Ein Vorteil der Stammzelltherapie im Vergleich zu der derzeit durchgeführten Hypothermie-Therapie ist, dass das therapeutische Fenster von 6 h auf 10 Tage nach hypoxisch-ischämischer Schädigung ausgedehnt werden könnte. Für die Stammzelltherapie scheinen autologe mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurblut oder aus der Nabelschnur zurzeit die sicherste Behandlungsoption zu bieten.

 

Quelle:

The endogenous regenerative capacity of the damaged newborn brain: boosting neurogenesis with mesenchymal stem cell treatment – J Cereb Blood Flow Metab 2013, Feb 13; DOI: 10.1038/ jcbfm.2013.3 (Epub ahead of print)

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Mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurblut hemmen, mesenchymale Stammzellen aus dem Fettgewebe fördern die Proliferation von Glioblastomzellen

Japanische Wissenschaftler haben festgestellt, dass mesenchymale Stammzellen (MSC) aus verschiedenen Geweben unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. MSC aus dem Nabelschnurblut sind in der Lage, das Wachstum von Glioblastomzellen zu inhibieren, während MSC aus dem Fettgewebe das Wachstum fördern.

Das Glioblastom ist ein aggressiver Hirntumor des Menschen. Trotz Fortschritte in der Neurochirurgie, Strahlen- und Chemotherapie ist die Prognose für Betroffene sehr schlecht. Das primäre Ziel der Neurochirurgie ist die maximale Tumorresektion bei maximaler Erhaltung der Hirnfunktionen. Die komplette chirurgische Resektion ist vor allem durch das invasive Wachstum des Tumors meistens nicht möglich. Eine neuere Behandlungsstrategie setzt auf Stammzellen, die gezielt zu Glioblastomzellen wandern und als Transportmittel für therapeutische Gene und Produkte eingesetzt werden sollen. MSC wären als Transportmittel geeignet, da sie zum Glioblastom migrieren, abhängig von ihrer Gewebequelle einfach zu isolieren und zu expandieren sind, aber auch als mögliche Förderer der tumorinduzierten Neovaskularisation gelten.

Aus diesem Grund wurden MSC aus Nabelschnurblut und aus Fettgewebe auf ihre Eigenschaften gegenüber isolierten primären Glioblastomzellen in Kokultur-Assays in vitro (Glioblastomzellen und MSC) und in Mäusen, denen Gliomzellen mit oder ohne MSC sc. injiziert wurden, untersucht. MSC aus Nabelschnurblut hemmen das Wachstum von Glioblastomzellen durch Apoptose, während MSC aus Fettgewebe das Wachstum von Glioblastomzellen fördern. Dies erfolgt zum Einen durch Förderung der Angiogenese und zum Anderen durch Inhibition der Apoptose. Aus diesen Ergebnissen ist zu schlussfolgern, dass die Eigenschaften unterschiedlicher MSC auf die Tumorproliferation vor Einsatz als Transportmittel für Substanzen mit antitumoraler Wirkung unbedingt zu untersuchen sind.

 

Quelle:

Umbilical Cord Blood-Derived Mesenchymal Stem Cells Inhibit, But Adipose Tissue-Derived Mesenchymal Stem Cells Promote, Glioblastoma Multiforme Proliferation – Stem Cells Dev 2013, 22, DOI: 10.1089/scd.2012.0486 (Epub ahead of print)

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Vergleich der Transplantation von Nabelschnurblut und Knochenmark / peripheren Blutstammzellen bei Kindern mit Hurler Syndrom

Die Transplantation eines fremden Nabelschnurblutes (NSB) ist mit der Transplantation von Knochenmark eines Geschwister-Spenders bezogen auf das ereignisfreie Überleben über einen Zeitraum von 5 Jahren vergleichbar. Kompletter Chimärismus (nur noch Spenderzellen im Blut des Transplantatempfängers) und ein normaler Enzymlevel konnten häufiger nach Transplantation von NSB verglichen mit den anderen Stammzellquellen nachgewiesen werden.

Das Hurler Syndrom zählt zu den angeborenen lysosomalen Speicherkrankheiten. Ein genetischer Enzymdefekt führt zu einem Mangel an alpha-L-Iduronidase. Mukopolysaccharide können nicht abgebaut werden und reichern sich in fast allen Geweben und Organen des Körpers an. Dies wiederum führt zu geistigen Behinderungen oftmals mit Seh- und Hörschwäche, Wachstumsretardierung, Skelettveränderungen, Herzinsuffizienz und Atemwegskomplikationen. Die meisten Kinder versterben vor dem 12. Lebensjahr. Insgesamt wurden 258 Hurler Syndrom-Patienten mit einem medianen Alter von 16,7 Monaten mit hämatopoetischen Stammzellen transplantiert.

Das ereignisfreie Überleben nach 5 Jahren betrug sowohl bei Empfängern eines 6/6 HLA (Humanes Leukozyten-Antigen)-gewebeverträglichen fremden NSB als auch bei Empfängern von HLA-gewebeverträglichem Knochenmark eines Geschwister-Spenders 81%. Das ereignisfreie Überleben eines in 4/6 HLA-Merkmalen übereinstimmenden NSB mit dem Empfänger lag bei 57% verglichen mit nur 41% bei Transplantation von einem in 8-9/10 HLA-Merkmalen übereinstimmenden fremden Knochenmark- oder peripheren Blutstammzell-Spender. Bei nicht vorhandenem Geschwister-Spender ist gematchtes fremdes NSB eine ebenbürtige Stammzellquelle.

Die besten Transplantationsergebnisse hinsichtlich des ereignisfreien Überlebens konnten bei 16 Monate alten oder jüngeren Kindern erzielt werden. Die Transplantation sollte vor Organschädigung erfolgen. Fast alle NSB-Empfänger (98%), deren Zellen erfolgreich angewachsen waren, wiesen normale Enzym-Level auf, so dass NSB eine verbesserte metabolische Korrektur im Vergleich zu anderen Stammzellquellen bewirkt und damit ein verbessertes Langzeit-Ergebnis für NSB-Empfänger vermutet wird.

 

Quelle:

Outcomes of transplantation using various hematopoietic cell sources in children with Hurler’s syndrome after myeloablative conditioning – Blood 2013 Mar 14, DOI 10.1182/blood-2012-09-455238 (Epub ahead of print)

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