Literaturservice Februar 2013

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe Februar 2013

Inhaltsverzeichnis:

  1. Fachartikel: Verbesserung des Hörvermögens bei Patienten mit Mukopolysaccharidose nach Nabelschnurblut-Transplantation
  2. Fachartikel: Autologe Stammzellen aus dem Fettgewebe zur Behandlung perianaler Fisteln bei Morbus-Crohn-Patienten zeigen erfolgreiche und nachhaltige Wirkung
  3. Fachartikel: Stammzellen für die Regeneration von Herzklappen

 


 

Verbesserung des Hörvermögens bei Patienten mit Mukopolysaccharidose nach Nabelschnurblut-Transplantation

Ärzte der Duke University in den USA haben durch den Vergleich audiologischer Parameter vor und nach der Nabelschnurblut (NSB)-Transplantation bei Kindern mit Mukopolysaccharidose (MPS) Veränderungen der MPS-bedingten Innenohrschwerhörigkeit nachgewiesen.

Bei MPS handelt es sich um eine lysosomale Speichererkrankung, bei der der Abbau der Mukopolysaccaride aufgrund einer vererbten enzymatischen Störung nicht erfolgt. Die toxischen Stoffwechselprodukte werden in den Lysosomen gespeichert und führen zu Gewebe- und Organschäden. Die meisten Patienten leiden unter anderem unter Hörstörungen.

Retrospektiv wurden die audiologischen Daten von 30 pädiatrischen MPS-Patienten, die eine NSB-Transplantation erhalten hatten, vor und nach Transplantation ausgewertet. Das mittlere Alter der Patienten bei Transplantation betrug 19 Monate (Range: 5-44 Monate). Die Prüfung des Hörvermögens  erfolgte mit Hilfe des Audiogramms (20 Patienten), der Messung einer auditorischen Antwort des Hirnstammes (8 Patienten) und qualitativer Gehörprüfungen(30Patienten).

Drei der MPS-Patienten wiesen ein normales Hörvermögen vor und nach NSB-Transplantation auf. Von den 27 Patienten stellte sich bei 20 eine Verbesserung der Innenohrschwerhörigkeit nach NSB-Transplantation heraus, bei 5 Patienten kam es zu keiner Verbesserung und bei 2 Patienten verschlechterte sich das Hörvermögen nach Transplantation.

Die NSB-Transplantation korrelierte mit einer Verbesserung der MPS-verursachten Innenohrschwerhörigkeit. Eine Verbesserung trat eher bei Patienten, die sich einer Transplantation in einem Alter von kleiner gleich 25 Monaten unterzogen, ein.

 

Quelle:

Improvements in Sensorineural Hearing Loss After Cord Blood Transplant in Patients With Mucopolysaccharidosis
Arch Otolaryngol Head Neck Surg 2012, 138: 1071-1076

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Autologe Stammzellen aus dem Fettgewebe zur Behandlung perianaler Fisteln bei Morbus-Crohn-Patienten zeigen erfolgreiche und nachhaltige Wirkung

In einer Phase II Studie wurden 43 Morbus-Crohn-Patienten, die perianale Fisteln aufwiesen, mit aus ihrem eigenen Fettgewebe gewonnenen Stammzellen behandelt. Von diesen haben 42 Patienten  die ersten 8 Wochen zur Evaluierung der Wirksamkeit beendet. Bei 27 Patienten von 42 (64,3 %) konnte die Fistel  nach der ersten Stammzellinjektion zur Abheilung gebracht werden. In der zusätzlich durchgeführten Beobachtungsstudie über einen Zeitraum von 1 Jahr traten bei 23 Patienten keine Rezidivfisteln auf.

Eine der häufigsten Komplikationen des Morbus Crohn stellen die Fistelbildungen dar. Für perianale Fisteln wird die Inzidenz mit 13 bis 39 % aller Morbus-Crohn-Erkrankten angegeben. Die derzeit verfügbaren Behandlungen sind nicht zufriedenstellend und mit einer sehr hohen Rezidivrate verbunden.

Die Stammzellen für die Behandlung der 43 Patienten (Durchschnittsalter 26 Jahre, durchschnittliche Dauer der Crohn-Erkrankung 54,6 Monate und durchschnittliche Fisteldauer bis zur Stammzelltherapie 46,8 Monate) wurden aus dem Fettgewebe des jeweiligen Patienten präpariert. Nach einer Fistelkürettage wurden die Zellsuspensionen (3 x 107 Zellen/ml/cm Fisteldurchmesser) in die Fistelwand injiziert und der Fisteltrakt mit Fibrinkleber verschlossen.

Die Fistelheilung wurde abschließend 8  Wochen nach Stammzellinjektion bewertet und als Verschluss der äußeren Fistelöffnung definiert.

Eine komplette Heilung trat bei 64,3 % (27) der behandelten Patienten ein und 23 von 26 Patienten, die die 1-jährige Follow-up-Studie abgeschlossen hatten, zeigten eine Beibehaltung der vollständigen Schließung der Fistel. Ein Patient, der ursprünglich 27 Patienten mit kompletter Heilung, erschien nicht zum 1-Jahres Follow-up und fiel somit für die 1-Jahres- Bewertung aus.

Eine autologe Stammzellbehandlung mit Stammzellen aus Fettgewebe wies bei Patienten mit Crohn-Fisteln eine gute Verträglichkeit und ein gutes therapeutisches Ergebnis über den Untersuchungszeitraum von 1 Jahr auf. Allerdings stellt die Gewinnung der eigenen Stammzellen eine zusätzliche Belastung der Patienten dar, die nicht außer Acht gelassen werden darf.

 

Quelle:

Autologous Adipose Tissue-derived Stem Cells Treatment Demonstrated Favorable and Sustainable Therapeutic Effect for Crohn’s Fistula
Stem Cells 2013 Feb 1, DOI: 10.1002/stem.1357 (Epub ahead of print)

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Stammzellen für die Regeneration von Herzklappen

Eine Schweizer Forschergruppe erläutert das Potential „tissue engineerter“ Herzklappen und gibt einen Überblick über geeignete Zellquellen für das valvuläre Tissue Engineering.

Pro Jahr werden weltweit 290.000 Herzklappen ersetzt. Schätzungen zufolge soll sich die Zahl bis zum Jahre 2050 verdreifachen. Die derzeit verwendeten Prothesen sind nicht in der Lage mitzuwachsen, was gerade für pädiatrische Anwendungen von großem Nutzen wäre. Weitere Nachteile sind die lebenslange Antikoagulation bei Verwendung mechanischer Prothesen sowie die Anfälligkeit für Verkalkung und Degeneration beim Einsatz von bioprothetischen Klappen.

Das „klassische“ Tissue Engineering umfasst die Isolierung und Expansion autologer Zellen des Patienten mit anschließender Aussaat dieser Zellen auf einem geeigneten Trägermaterial sowie nachfolgender Gewebeneubildung in vitro und letztendlich der Implantation dieses Konstruktes zurück in den Patienten, dessen Zellen für das Tissue Engineering verwendet wurden.

Für die Herstellung autologer Herzklappen werden neben einem geeigneten Herzklappengerüst 2 Zellarten benötigt: Endothelzellen und Myofibroblasten. Zur Herstellung mitwachsender pädiatrischer Herzklappen hätte man mit der autologen Nabelschnur und/oder dem autologen Nabelschnurblut eine Zellquelle zur Gewinnung der beiden benötigten Zellarten. Die beiden Zellarten lassen sich aus endothelialen Progenitorzellen und mesenchymalen Stammzellen herstellen. Ist der Herzfehler schon vorgeburtlich bekannt, besteht die Möglichkeit, pränatal mesenchymale Stammzellen und endotheliale Progenitoren aus Amnionflüssigkeit und den Chorionzotten zu gewinnen. Die Klappe könnte dann unmittelbar nach der Geburt des Kindes implantiert werden. Auch  aus dem peripheren Blut lassen sich endotheliale Progenitoren isolieren, so dass man mit ihnen Herzklappen beschichten könnte. Knochenmarkzellen bieten sich ebenfalls zur Verwendung an, da diese das Potential besitzen, in verschiedene Zelllinien zu differenzieren.

Es konnte gezeigt werden, dass Knochenmarkzellen in myofibroblastenähnliche Zellen differenzieren und dass diese dann auf eine synthetische Herzklappe aufgebracht werden können.

Zellen aus der Nabelschnur und dem Nabelschnurblut könnten auch nach einer Kryokonservierung verwendet werden und wären somit auch für Erwachsene geeignet.

Welche Zellquelle für eine zukünftige klinische Anwendung am besten geeignet ist, muss noch im detaillierten Vergleich untersucht werden.

 

Quelle:

Stem cells for heart valve regeneration
Swiss Med Wkly 2012, 142: w13622

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