Literaturservice Januar 2013

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe Januar 2013

Inhaltsverzeichnis:

  1. Fachartikel: Doppelblinde, randomisierte, plazebokontrollierte Studie zur Gabe von Nabelschnurblut und Erythropoietin bei Kindern mit Zerebralparese
  2. Fachartikel: Nabelschnur-Stammzellen zur Prävention und Reparatur von geschädigtem Lungengewebe im Tiermodell der bronchopulmonalen Dysplasie
  3. Fachartikel: Nabelschnurblut Kokultur mit mesenchymalen Zellen vor Transplantation verbessert das Engraftment

 


 

Doppelblinde, randomisierte, plazebokontrollierte Studie zur Gabe von Nabelschnurblut und Erythropoietin bei Kindern mit Zerebralparese

In einem neuen therapeutischen Ansatz erhielten Kinder (n=96) mit Zerebralparese im Alter von 10 Monaten bis zu 10 Jahren eine allogene Nabelschnurblut (NSB)-Infusion sowie gleichzeitig Erythropoietin (EPO)-Injektionen. Die NSB-behandelten Kinder zeigten in dem Studienzeitraum von 6 Monaten Verbesserungen in der motorischen und kognitiven Entwicklung.

Um die Effizienz der NSB-Zellen zu erhöhen, wurde gleichzeitig EPO verabreicht, von dem bekannt ist, dass es neuroprotektiv wirkt. Die Patienten wurden  in 3 Gruppen randomisiert: Die NSB-Gruppe, die allogenes NSB und EPO erhielt; die EPO-Gruppe, der Plazebo-NSB und EPO appliziert wurde und die Kontrollgruppe, die Plazebo-NSB und Plazebo-EPO bekam.

Die Studienärzte waren der Meinung, dass das eigene NSB der Kinder geeigneter als fremdes sei, jedoch hatten die Kinder mit Zerebralparese nicht das eigene NSB bei der Geburt einlagern lassen. Aus diesem Grund wurde fremdes NSB mit Gewebemerkmalen, die mit denen der Patienten übereinstimmten, gesucht. Zusätzlich, um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, erhielten die Patienten eine immunsupprimierende Therapie mit Cyclosporin.

Ein Ergebnis der klinischen Studie ist, dass jüngere Kinder bezogen auf die durchgeführten Tests zur Beurteilung der motorischen und kognitiven Entwicklung stärker als ältere Kinder von der NSB-Infusion profitierten. Ebenso wurde der Einfluss der Humanen Leukozyten Antigen (HLA)-Inkompatibilität untersucht. NSB mit nur einem Unterschied in den untersuchten Gewebemerkmalen führten zu signifikant besseren Ergebnissen der untersuchten motorischen und mentalen Fähigkeiten als NSB mit zwei Unterschieden.

Insgesamt konnten in der NSB-Gruppe signifikante Verbesserungen der kognitiven und motorischen Funktionen bei Kindern mit Zerebralparese nachgewiesen werden.

 

Quelle:

Cord Umbilical Cord Blood Therapy Potentiated with Erythropoientin for Children with Cerebral Palsy: A Double-blind, Randomized, Placebo-controlled Trial

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Nabelschnur-Stammzellen zur Prävention und Reparatur von geschädigtem Lungengewebe im Tiermodell der bronchopulmonalen Dysplasie

Kanadische Forscher haben in einem Tiermodell der bronchopulmonalen Dysplasie (BPD) – eine der häufigsten Komplikationen bei extremen Frühgeborenen – zeigen können, dass perivaskuläre Zellen aus der Nabelschnur (PC) und mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurblut (MSC) einer Lungenschädigung sowohl protektiv als auch reparativ entgegenwirken.

Neugeborene Ratten wurden vom 4. bis zum 14. postnatalen Tag einer Atemluft von 95 % Sauerstoff (Hyperoxie) ausgesetzt. Die geschädigten Lungen wiesen das typische Krankheitsbild einer BPD auf wie den Stillstand der vaskulären und epithelialen Lungenentwicklung (Luftraumerweiterung, Abnahme bzw. Stillstand in der Anzahl an Alveolen). Die Tiere erhielten intratracheal entweder an Tag 4 zur Prävention oder an Tag 14 nach der Geburt zur Regeneration des Lungengewebes PC bzw. MSC appliziert.

PC und MSC zeigten eine Schutzwirkung unter Hypoxie und waren aber auch in der Lage, die Sauerstoff-Schädigung der Alveolen zu reparieren. Ebenso konnte die gleiche Wirksamkeit auf die Alveolen mit zellfreiem Medium der PC und MSC nachgewiesen werden, woraus geschlussfolgert werden kann, dass parakrine Effekte für die Wirkungen verantwortlich sind.

Eine Stammzell-Behandlung bei Lungenerkrankungen, die mit einer Schädigung der Alveolen einhergehen, würde neue Therapiemöglichkeiten für die betroffenen Patienten eröffnen.

 

Quelle:

Short-term, long-term and paracrine effect of human umbilical cord-derived stem cell in lung injury prevention and repair in experimental bronchopulmonary.

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Nabelschnurblut Kokultur mit mesenchymalen Zellen vor Transplantation verbessert das Engraftment

Wie in der Dezember Ausgabe des „The New England Journal of Medicine“ berichtet wird, ist die ex vivo Expansion von Nabelschnurblut (NSB)-Zellen vor der Transplantation ein sicheres und effektives Verfahren.

Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen, denen in Kombination ein expandiertes und ein unmanipuliertes NSB transplantiert wurde, zeigen ein signifikant verbessertes Engraftment im Vergleich zu historischen Kontroll-Patienten, denen 2 unmanipulierte NSB transplantiert wurden.

In die Studie wurden 31 erwachsene high-risk Patienten mit hämatologischen Krebserkrankungen eingeschlossen. Jeweils eins der zwei NSB, die transplantiert wurden, wurde einer Kokultivierung mit allogenen mesenchymalen Zellen unterzogen. Bei der Kontrollgruppe handelte es sich um Daten von 80 historischen Kontroll-Patienten, denen zwei NSB transplantiert wurden.

Die Kokultur mit mesenchymalen Zellen führte zu einer Vermehrung der kernhaltigen Zellen des NSB um den Faktor 12,2 und der blutbildenden Stammzellen um den Faktor 30,1, so dass die Anzahl an nuklearen Zellen im NSB (8,34 x 107 pro kg Körpergewicht) bei den Patienten, die ein expandiertes und ein unmanipuliertes NSB transplantiert bekamen signifikant höher war als in der Kontrollgruppe, die mit zwei Einheiten unmanipuliertem  NSB behandelt wurden. Das Anwachsen der neutrophilen Granulozyten in Patienten mit expandiertem NSB betrug im Median 15 Tage verglichen mit 24 Tagen in der Kontrollgruppe. Das Engraftment der Thrombozyten erfolgte im Median nach 42 Tagen in der Gruppe mit expandiertem NSB im Vergleich zu 49 Tagen in der Gruppe mit unmanipuliertem NSB.

Die Expansion der NSB-Zellen durch Kokultivierung mit mesenchymalen Zellen führte insgesamt zu einem schnelleren Anwachsen von neutrophilen Granulozyten und Thrombozyten, wodurch sich die Hochrisiko-Zeit der Patienten, in der sie besonders anfällig gegenüber dem Auftreten von Infektionen sind, verringert.

 

Quelle:

Cord-Blood Engraftment with Ex Vivo Mesenchymal-Cell Coculture

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