Literaturservice Dezember 2012

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe Dezember 2012

Inhaltsverzeichnis

  1. Fachartikel: Australische Studie soll untersuchen, ob autologes Nabelschnurblut Typ 1 Diabetes bei Hochrisiko-Kindern verhindert bzw. den Ausbruch verzögert
  2. Fachartikel: Hämatopoetische Stammzelltherapie bei Multipler Sklerose: Die Top 10 Erkenntnisse
  3. Fachartikel: Randomisierte doppelblinde Studie zur Therapie von Wirbelsäulenverletzungen bei Haushunden mit autologen Zellen aus der Nasenschleimhaut

 


 

Australische Studie soll untersuchen, ob autologes Nabelschnurblut Typ 1 Diabetes bei Hochrisiko-Kindern verhindert bzw. den Ausbruch verzögert

Ärzte des Kinderkrankenhauses „Westmead“ in Sydney werden 20 Kinder, die einen nahen Verwandten mit Typ 1 Diabetes haben, mit dem eigenen Nabelschnurblut (NSB) behandeln, um herauszufinden, ob NSB die Entwicklung eines Typ 1 Diabetes verhindern bzw. verzögern kann.

Typ 1 Diabetes resultiert aus einem Autoimmunprozess, der dazu führt, dass die Insulin-produzierenden Inselzellen des Pankreas zerstört werden. Für diesen Zerstörungsprozess sind autoreaktive T-Zellen verantwortlich. Dieser Autoimmunprozess kann jedoch durch eine andere Art von T-Zellen, die sog. regulatorischen T-Zellen, verhindert werden. Die im NSB enthaltenen regulatorischen T-Zellen können möglicherweise die Zerstörung der Inselzellen verhindern und so das Kind schützen, einen Diabetes zu entwickeln.

Genau an diesem Punkt setzt die australische Studie an. Hochrisiko-Kinder (mit einem nahen Verwandten (Eltern, Geschwister) mit Typ 1 Diabetes) im Alter von 1 – 12 Jahren, die ihr eigenes NSB eingefroren vorliegen haben, werden auf bestimmte Antikörper gescreent, deren Nachweis mit einem hohen Risiko, einen Typ 1 Diabetes zu entwickeln, verbunden ist. Dazu sollen insgesamt 400 – 600 Kinder gescreent werden, um davon dann 20 Kinder mit dem eigenen NSB zu therapieren. Die Studie ist über einen Zeitraum von 5 Jahren ausgelegt. Das Neue an der Untersuchung ist, dass Kinder vor dem Ausbruch der Erkrankung mit dem eigenen NSB behandelt werden sollen.

 

Quelle:

Cord blood used to prevent diabetes

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Hämatopoetische Stammzelltherapie bei Multipler Sklerose: Die Top 10 Erkenntnisse

Kanadische Wissenschaftler berichten in einem Review über die “Top 10“ Erkenntnisse autologer hämatopoetischer Stammzelltransplantationen bei Multiple-Sklerose (MS)-Patienten. Die MS ist eine Organ-spezifische Autoimmunerkrankung, die zu einer Demyelinisierung im gesamten zentralen Nervensystem und zu Axonschädigungen führt. Ein neues Behandlungsparadigma ist die Reparatur und nicht die Suppression des Immunsystems. Mit Hilfe der hämatopoetischen Stammzelltransplantation – die auf die spezifische Erkrankung abgestimmt sein muss – soll dieses Ziel erreicht werden.

Dem Patienten werden als erstes z.B. aus dem Knochenmark hämatopoetische Stammzellen entnommen. Im Anschluss daran erhält er eine Hochdosischemotherapie und/oder Ganzkörperbestrahlung, um sein defektes Immunsystem zu zerstören. Danach werden die entnommenen, evtl. noch aufgearbeiteten (da das Transplantat mit autoreaktiven Lymphozyten belastet sein könnte, müssen diese entfernt werden), kryokonservierten Stammzellen nach dem Auftauen dem Patienten per Infusion zurückgegeben.

Das Ziel ist der Aufbau eines neuen und gesunden Immunsystems. Allerdings weist das rekonstituierte Immunsystem eine Prädisposition für Autoimmunität auf, so dass ca. 10% der Patienten innerhalb der ersten 2 Jahre nach der Stammzelltransplantation eine zweite Autoimmunerkrankung entwickeln.

Die Schlussfolgerung der Autoren nach Betrachtung der gesamten weltweit durchgeführten klinischen Studien ist, dass MS-Patienten mit einer hochaktiven Verlaufsform und refraktären Erkrankungen von der autologen hämatopoetischen Stammzelltransplantation profitieren können.

 

Quelle:

Hematopoietic Stem Cell Therapy for Multiple Sclerosis: Top 10 Lessons Learned Neurotherapeutics 2012, Nov 29 (Epub ahead of print)

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Randomisierte doppelblinde Studie zur Therapie von Wirbelsäulenverletzungen bei Haushunden mit autologen Zellen aus der Nasenschleimhaut

Ein britisches Forscherteam behandelte 23 querschnittsgelähmte Hunde mit autologen Zellen aus der Nasenschleimhaut und konnte signifikante Verbesserungen in der Koordination der Bewegungen beider Gliedmaßenpaare nachweisen.

Insgesamt wurden 34 Hunde aus der Haustierhaltung mit Lähmungserscheinungen aufgrund von Rückenmarksverletzungen rekrutiert. Dies ist als ein Vorzug der Studie zu betrachten, da es sich hierbei um kein experimentelles Tiermodell handelte. Die Einschlusskriterien waren u.a., dass die Tiere seit mindestens 3 Monaten an einer Lähmung der Hinterbeine litten. Dies entspricht in etwa einem Zeitraum von 12 Monaten nach Verletzung beim Menschen. Anschließend wurde den Tieren unter Narkose ein kleines Stück Nasenschleimhaut entnommen. Die daraus isolierten Stammzellen wurden 23 Hunden autolog mit Hilfe einer spezifischen intraspinalen Transplantationstechnik appliziert. Die Plazebo-Gruppe bestehend aus 11 Hunden erhielt nur Zellmedium ohne Zellen injiziert.

Über einen Zeitraum von 6 Monaten erfolgten monatlich Bewegungsanalysen auf dem Laufband. Die mit Stammzellen behandelten Tiere zeigten im Vergleich zu der Plazebo-Gruppe signifikante Verbesserungen der Vorder- und Hinterbeinkoordination beim Laufen. Eine Verbesserung der Harninkontinenz konnte in beiden Gruppen nicht nachgewiesen werden. Daraus schlussfolgern die Wissenschaftler, dass die Axonregeneration durch die Stammzelltransplantation im unmittelbaren Läsionsbereich erfolgt, bisher jedoch nicht über einen längeren Streckenbereich.

 

Quelle:

Autologous olfactory mucosal cell transplants in clinical spinal cord injury: a randomized double-blinded trial in a canine translational model Brain 2012, 135: 3227-3237

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