Literaturservice November 2012

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe November 2012

Inhaltsverzeichnis

  1. Fachartikel: Nabelschnurblut-Anwendungen in der Zelltherapie: Rück- und Ausblick
  2. Fachartikel: Autologes Nabelschnurblut zur Therapie kindlicher Schlaganfälle
  3. Fachartikel: Autologes Nabelschnurblut bei neonataler hypoxischer Hirnschädigung

 


 

Nabelschnurblut-Anwendungen in der Zelltherapie: Rück- und Ausblick

Amerikanische Wissenschaftler des „National Institutes of Health“ der Abteilung „National Center for Regenerative Medicine“ berichten, dass Nabelschnurblut (NSB) eine etablierte Stammzellquelle hämatologischer Erkrankungen ist. Jedoch die jüngsten Fortschritte in der Zellreprogrammierung von NSB-Zellen zu induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) können zu einer explosionsartigen Steigerung der Anwendungen bei einem breiten Spektrum von Erkrankungen führen.

Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) sind in der Lage, sich in sämtliche Zelltypen eines menschlichen Körpers zu entwickeln. Auch NSB enthält Stamm- und Vorläuferzellen, die sich in verschiedene Gewebe aller 3 Keimblätter differenzieren lassen. Die Anzahl der im NSB enthaltenen Zellen ist jedoch limitiert.

Die Entwicklung der iPS-Technologie ermöglicht die Produktion autologer Zellen in praktisch unbegrenzter Zahl für potentielle therapeutische Zwecke. Da die NSB-Zellen sehr jung sind und kaum Mutationen aufweisen – diese sammeln sich erst im Laufe der Zeit in den Zellen an – sind sie für die Herstellung einer NSB-iPS-Bank außerordentlich gut geeignet. Voraussetzung für die Produktion Patienten-spezifischer iPS-Zellen aus NSB ist allerdings, die Entwicklung von definierten Standards entsprechend „Good Manufacturing Practice“ (GMP), um eine gleichbleibend hohe Produktqualität zu sichern.

 

Quelle:

Human cord applications in cell therapy: looking back and look ahead
Expert Opin Biol Ther 2012, 12: 1059 – 1066

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Autologes Nabelschnurblut zur Therapie kindlicher Schlaganfälle

In einer weiteren klinischen Studie zum Einsatz des eigenen Nabelschnurblutes (aktuell 16 klinische Studien) sollen zehn Kinder mit perinatal arteriell-ischämischem Schlaganfall mit ihrem nach der Geburt entnommenen und kryokonservierten Nabelschnurblut (NSB) behandelt werden.

Ziel der Studie ist zum Einen, die Verträglichkeit des NSBs zu untersuchen und zum Anderen festzustellen, inwieweit physiologische, anatomische und funktionelle Änderungen nach NSB-Infusion eintreten.

Aufgrund zahlreicher tierexperimenteller Untersuchungen ist bekannt, dass Stammzellen die neurologischen Ausfallerscheinungen (halbseitige Lähmungen, Sprachstörungen) als Folge eines Schlaganfalls beseitigen können. Aus diesem Grund wird in einer aktuell begonnenen Phase I Studie an 10 Kindern in einem Alter von 6 Wochen bis zu 6 Jahren die Sicherheit und Wirksamkeit von autologem NSB bei der Behandlung des kindlichen Schlaganfalls getestet.

Umfangreiche Untersuchungen der Kinder finden vor der Therapie sowie 6, 12 und 24 Monate nach der NSB-Infusion statt. Zu den Untersuchungen, die für die Beurteilung der Sicherheit und Wirksamkeit herangezogen werden, gehören verschiedene bildgebende Verfahren sowie standardisierte neurologische und logopädische Tests. Die ersten Ergebnisse werden für Ende 2015 erwartet.

 

Quelle:

Umbilical Cord Blood in the Treatment of Stroke in Children (Pedi Stroke)

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Autologes Nabelschnurblut bei neonataler hypoxischer Hirnschädigung

Amerikanische Mediziner berichten über erste Erfahrungen autologer Nabelschnurblut (NSB)-Infusionen bei Kindern mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie (HIE).

Mehr als die Hälfte aller Neugeborenen mit mittelschwerem neurologischen Insult versterben oder weisen lebenslange Behinderungen wie z.B. spastische Paresen auf. Aktuelle Multizenter-Studien belegen die neuroprotektive Wirkung einer Hypothermiebehandlung innerhalb der ersten 6 Stunden nach der Geburt. Jedoch 40 % der Kinder – abhängig von dem Stadium der HIE – versterben oder überleben mit schweren neurologischen Behinderungen.

Weitere ergänzende neuroprotektive Interventionen werden erforscht. Dazu gehören Zelltherapien, die die Gabe des eigenen NSB untersuchen. Nach Abschluss der Pilotstudie zur Sicherheit der NSB-Infusionen mit 30 Neugeborenen mit HIE ist eine randomisierte Studie bestehend aus den beiden Armen Hypothermie ± autologes NSB geplant.

Die bisherigen Ergebnisse rechtfertigen weitere Untersuchungen bezüglich des „Timings“, der Dosierung(en) und der Applikationsart des autologen NSB sowie eine mögliche Aufreinigung bestimmter Zellen aus dem NSB vor der Gabe, um langfristig neurologische/kognitive Besserungen bei Neugeborenen mit HIE zu erzielen.

 

Quelle:

Rescuing the neonatal brain from hypoxic injury with autologous cord blood Bone Marrow Transplant 2012 Sep 10, DOI: 10.1038/bmt.2012.169 (Epub ahead of print)

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