Literaturservice September 2012

Medizinisch-wissenschaftlicher Literaturservice, Ausgabe September 2012

Inhaltsverzeichnis:

  1. Fachartikel: Randomisierte, verblindete, Plazebo-kontrollierte Crossover-Studie zur Wirksamkeit des autologen Nabelschnurblutes bei Kindern mit Autismus
  2. Fachartikel: Vergleich mesenchymaler Stammzellen aus Fett, Knochenmark, Wharton-Sulze und Nabelschnurblut zur Behandlung von Rückenmarksverletzungen
  3. Fachartikel: Mehrere niedrigdosierte Nabelschnurblutzell-Infusionen verbessern die kognitiven Beeinträchtigungen und reduzieren die Amyloidplaque-assoziierten neuropathologischen Veränderungen in Alzheimer-Mäusen

 


 

Randomisierte, verblindete, Plazebo-kontrollierte Crossover-Studie zur Wirksamkeit des autologen Nabelschnurblutes bei Kindern mit Autismus

Eine von der amerikanischen Arzneimittelbehörde genehmigte klinische Studie zur Gabe des eigenen Nabelschnurblutes (NSB) bei Patienten mit Autismus soll Auskunft über dessen Wirksamkeit geben.

Die autistische Erkrankung ist durch Schwierigkeiten in der Kommunikation, der sozialen Interaktion und durch stereotypes Verhalten gekennzeichnet, woraus sich soziale und emotionale Defizite ergeben. Zur Pathogenese gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze wie z.B. Hirnschädigungen, Hirnfunktionsstörungen (unzureichende neuronale Vernetzung verschiedener zerebraler Areale), genetischen Faktoren und neuropsychologische Auffälligkeiten. Bisher steht keine ursächliche Therapie zur Behandlung des Autismus zur Verfügung.

Dreißig Kinder mit Autismus im Alter von 2 bis 7 Jahren werden in zwei Gruppen zu je 15 Probanden aufgeteilt. Die eine Gruppe bekommt eine autologe NSB-Infusion, während die andere Gruppe ein Plazebo (Kochsalzlösung) erhält. Nach 6 Monaten wird der Plazebo-Gruppe das eigene NSB infundiert und die NSB-Gruppe erhält Kochsalzlösung.

Untersucht werden Verbesserungen in der Kommunikation mit standardisierten Vokabeltests, um den aktiven Wortschatz zu erfassen. Der „Vineland Adaptive Behaviour Scale“ wird eingesetzt, um den kindlichen Entwicklungsstand zu beurteilen. Ein weiterer sog. „Pervasive Developmental Disorders Behavior Index“, der Auskunft über eine tiefgreifende Entwicklungsstörung gibt, wird ebenfalls eingesetzt. Des Weiteren werden verschiedene Zytokine im Serum der Kinder bestimmt, da auch inflammatorische Prozesse an der Erkrankung beteiligt sein könnten. Weder Ärzte noch Eltern wissen, was den Kindern wann infundiert wurde. Mit ersten Ergebnissen ist frühestens Ende 2013 zu rechnen.

 

Quelle:

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Vergleich mesenchymaler Stammzellen aus Fett, Knochenmark, Wharton-Sulze und Nabelschnurblut zur Behandlung von Rückenmarksverletzungen

Koreanische Veterinärmediziner haben in ihren Untersuchungen zeigen können, dass die Transplantation mesenchymaler Stammzellen (MSC) aus unterschiedlichen Quellen in den Wirbelkanal von Tieren mit Rückenmarksverletzungen zu einer verbesserten Funktion der Hinterbeine führt.

Hunden, denen eine Rückenmarksverletzung zugefügt wurde, erhielten canine MSC, die aus dem Fettgewebe, Knochenmark, der Wharton-Sulze und dem Nabelschnurblut (NSB) isoliert wurden. Die Zellen wurden eine Woche nach der Rückenmarksverletzung suspendiert in Matrigel (simuliert die Basalmembran) direkt in das Epizentrum der Verletzung sowie cranial und caudal zur Läsionsstelle nach dorsaler Laminektomie mit Durotomie injiziert. Den Kontrolltieren wurde nur das Matrigel transplantiert.

Die Tiere, denen MSC – egal welcher Herkunft – transplantiert wurden, zeigten 8 Wochen nach der Transplantation signifikante lokomotorische Verbesserungen im Vergleich zu den Tieren, die keine MSC erhielten. Des Weiteren konnte eine verminderte Läsionsgröße und eine erhöhte Anzahl an überlebenden Neuronen bei den mit MSC-behandelten Hunden beobachtet werden, ebenso waren weniger Mikroglia und reaktive Astrozyten im Epizentrum der Läsion nachweisbar. Obwohl keine Unterschiede zwischen den MSC-Gruppen hinsichtlich der verbesserten Lokomotorik aufgetreten sind, so wiesen die MSC isoliert aus NSB im Vergleich eine signifikant erhöhte Nervenregeneration, Neuroprotektion und eine verstärkte entzündungshemmende Aktivität auf.

 

Quelle:

Comparison of Mesenchymal Stem Cells Derived from Fat, Bone Marrow, Wharton’s Jelly, and Umbilical Cord Blood for Treating Spinal Cord Injuries in Dogs. J Vet Med Sci  2012 Aug 9 (Epub ahead of print).

 


 

Mehrere niedrigdosierte Nabelschnurblutzell-Infusionen verbessern die kognitiven Beeinträchtigungen und reduzieren die Amyloidplaque-assoziierten neuropathologischen Veränderungen in Alzheimer-Mäusen

Zweimal wöchentliche bzw. monatliche Nabelschnurblutzell (NSB)-Infusionen über einen Zeitraum von 6-10 Monaten reduzieren die Amyloid-Ablagerungen sowie Entzündungsreaktionen im Hirngewebe und verbessern die kognitiven Fähigkeiten im Mausmodell der Alzheimer-Erkrankung.

Zur Untersuchung der Alzheimer-Erkrankung wurde ein transgenes Mausmodell, das eine Überexpression des Amyloid-Vorläuferproteins aufweist, verwendet. Die Bildung der Amyloidplaques beginnt bereits in einem Alter von 6 Monaten. Die Tiere erhielten im ersten Monat zweimal pro Woche und anschließend einmal im Monat NSB über einen Zeitraum von 6 bzw. 10 Monaten infundiert. Als Kontrollen wurden Puffer gegeben bzw. nicht transgene Wurfgeschwister eingesetzt. Es konnte gezeigt werden, dass die NSB-Therapie mit einer verminderten Prozessierung des Amyloid-Vorläuferproteins und einer Verringerung der kognitiven Beeinträchtigung korreliert. Ebenso waren bei den NSB behandelten Tieren weniger aktivierte Mikroglia und weniger Amyloid-Ablagerungen nachweisbar.

 

Quelle:

Multiple Low-Dose Infusions of Human Umbilical Cord Blood Cells Improve Cognitive Impairments and Reduce Amyloid-Associated Neuropathology in Alzheimer Mice. Stem Cells Dev 2012 Sep 5 (Epub ahead of print)