Lifestyle

Wichtige Liebkosungen für das Neugeborene

Forscher ermitteln das optimale Streichel-Tempo

Warum sind Bilder von kuschelnden Tier-Babys mit ihren pelzigen oder gefiederten Eltern so beliebte Motive? Vielleicht, weil damit bei uns ein von klein auf bestehendes, zutiefst menschliches Grundbedürfnis angesprochen wird: der Wunsch nach Nähe, Zuneigung, Liebkosungen und körperlichem Kontakt. Auf all das sind nämlich auch Menschenkinder angewiesen, um gesund heranzuwachsen.

Unabhängig vom Lebensalter fehlt uns ohne Berührungen ein wichtiges Mittel für Glück und Wohlbefinden. Längst ist nachgewiesen, dass beispielsweise zärtliche Umarmungen Stresshormone vermindern und stattdessen den Körper zur Ausschüttung stresslindernder Hormone anregen. Beim Menschen wie bei allen Säugetieren sichert die körperliche Nähe gerade in den ersten Lebenstagen das Überleben. Fällt diese Zuwendung zu gering aus, sind kleine Kinder anfälliger für Krankheiten und können in ihrer Entwicklung zurückbleiben.

Einfluss auf das Schmerzempfinden

Auch Kinderärzte wissen: Bei unangenehmen Prozeduren mit kleinen Patienten ist die Nähe der Eltern das beste Beruhigungsmittel. Streicheleinheiten wirken auf Babys aber nicht nur besänftigend, sondern sogar schmerzlindernd. Dass dieser Effekt schon bei Neugeborenen eintritt, konnten vor kurzem britische Mediziner der Universität Oxford in einem Versuch erstmals neurophysiologisch nachweisen. Sie maßen über die Hirnströme das Schmerzempfinden von Kindern, denen aus der Ferse Blut abgenommen werden musste. Die Reaktion auf den kleinen Einstich am Fuß fiel deutlich schwächer aus, wenn das Kind gleichzeitig mit einer weichen Bürste am Bein gestreichelt wurde. Auch die unvermeidliche Schmerzgrimasse des Kindes bei der Blutabnahme dauerte nur etwa halb so lang.

Unabhängig vom Lebensalter fehlt uns ohne Berührungen ein wichtiges Mittel für Glück und Wohlbefinden.

Keine Wirkung bei zu schnellem Tempo

Der Effekt basiert nach Auskunft der Wissenschaftler auf bestimmten Nervenfasern in der Haut, die durch das Streicheln aktiviert werden. Um die Schmerzempfindlichkeit der Babys zu senken, kommt es allerdings auch auf das „Wie“ der Berührungen an. Das britische Forscherteam ermittelte nämlich bei dieser Versuchsanordnung sogar das optimale Streichel-Tempo. Bei langsamen Bewegungen mit ca. drei Zentimetern pro Sekunde fiel die schmerzlindernde Wirkung am stärksten aus. Bei wesentlich höherem Tempo gab es hingegen keinen Unterschied zu ungestreichelten Kindern.

Allen werdenden oder frischgebackenen Eltern, die durch diese Studienergebnisse verunsichert sind, geben die Wissenschaftler Entwarnung. Niemand muss jetzt beim Streicheln seines Neugeborenen in der anderen Hand eine Stoppuhr halten. Denn auf das optimale Tempo für ihr Kind stellen sich die Eltern ganz intuitiv ein. Sie werden durch eine positive Reaktion geleitet und belohnt.