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Stammzellen als Option zur Behandlung des Coronavirus?

Mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe – Option zur Behandlung kritischer Covid-19-Pneumonie?

Das SARS-CoV-2 breitet sich seit Mitte Februar in Deutschland aus. Die Zahl der Neuinfektionen steigt konstant an. Mitte März waren bereits fast 4.000 Personen infiziert. Die durch das Virus ausgelöste Erkrankung COVID-19 verläuft in 80% der Fälle unproblematisch, oft sogar ohne Symptome. Etwa 14% der Fälle verlaufen dagegen schwer, etwa 6% kritisch. Vor allem ältere Patienten und Patienten mit Komorbiditäten sind hier gefährdet.

Herausforderung bei der Behandlung

Eine spezielle Therapie gibt es bislang nicht. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, in schweren Fällen mithilfe von fiebersenkenden Mitteln, Antibiotika gegen Begleitinfektionen, antiviralen Therapeutika oder zusätzlicher Beatmung. Die Letalität für einen schweren Krankheitsverlauf liegt bei 8%, die für einen kritischen Krankheitsverlauf bei bis zu 22%. Die große Herausforderung ist hier die innerhalb weniger Tage auftretende Pneumonie, die schnell zur starken Belastung für den gesamten Körper werden kann.

Neue Behandlungsoption

Chinesische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass kritische COVID-19-Pneumonie mithilfe von mesenchymalen Stammzellen aus Nabelschnurgewebe (UC-MSCs) erfolgreich behandelt werden kann. In einem Case Report ist dazu der Fall einer 65-Jährigen Chinesin beschrieben. Alle verfügbaren Begleittherapien inklusive Beatmung, Antibiose, Corticoidtherapie oder die Gabe von antiviralen Therapeutika hatten den Zustand der Patientin nicht verbessern können. Durch die intravenöse Gabe von UC-MSCs wurde die Frau jedoch innerhalb weniger Tage erfolgreich therapiert.

UC-MSCs – multifunktionell

Das Besondere an UC-MSCs? Die Zellen sind chemotaktisch. Entlang von Zytokin-Gradienten wandern sie gezielt zu Entzündungserden. Durch die Freisetzung verschiedener Zytokine und Wachstumsfaktoren stoßen sie dort Regenerationsprozesse an. Viel wichtiger aber – vor allem vor dem Hintergrund von COVID-19 – UC-MSCs wirken immunmodulierend, d.h. sie schwächen gezielt Entzündungsreaktionen ab. Durch Freisetzung von Interleukin-6 stimulieren sie beispielsweise die Veränderung von pro-inflammatorischen Makrophagen zu anti-inflammatorischen Makrophagen. Durch die Freisetzung von Prostaglandin E2 inhibieren sie außerdem die zytotoxische Aktivität von natürlichen Killerzellen sowie die Vermehrung von B- und zytotoxischen T-Lymphozyten.

Stand der klinischen Forschung

Eine Phase-1-Studie zeigte bereits, dass UC-MSCs bei der Behandlung von Patienten mit COVID-19-Pneumonie sicher und unbedenklich sind. Aktuell untersuchen 3 Phase-2-Studien neben der Sicherheit nun auch die Wirksamkeit von UC-MSCs bei der Behandlung von COVID-19-Pneumonie. Die Studien begannen im Februar 2020 und enden voraussichtlich noch im Herbst dieses Jahres. Dann wird sich zeigen, ob die Wirkung von UC-MSCs in einer größeren Patienten-Kohorte bestätigt werden kann und die Zellen eine realistische Option zur Behandlung von schwerer und kritischer COVID-19-Pneumonie sind.