Blutbildungsstörungen: Ursachen und Symptome

Die Blutbildung erfolgt größtenteils im Knochenmark, das sich unter anderem im Beckenknochen, den Schulterknochen und den Wirbelkörpern befindet. Aus den blutbildenden Stammzellen entwickeln sich hier die roten Blutkörperchen, die den Sauerstofftransport im Körper regeln, die weißen Blutkörperchen, die für die Immunabwehr zuständig sind und die Blutplättchen, die für die Blutgerinnung sorgen. Zu Blutbildungsstörungen kommt es, wenn die Stammzellen geschädigt sind, beispielsweise durch Krankheiten wie Leukämie, Thalassämie oder der Aplastischen Anämie. Aber auch ein Eisenmangel, Medikamente oder eine Bestrahlungstherapie kommen als Ursachen infrage. Typische Symptome bei Betroffenen sind beispielsweise Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Infektanfälligkeit und Blutungsneigung – je nachdem, welche Blutzellen betroffen sind.

Behandlung und Therapie von Blutbildungsstörungen

Die Therapie von Blutbildungsstörungen richtet sich nach der jeweiligen Ursache der Erkrankung. Handelt es sich beispielsweise um eine Eisenmangelanämie, sollte zunächst geklärt werden, ob diese durch eine einseitige Ernährung oder eine Resorptionsstörung, etwa durch eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, zustande kommt. Überdies muss geprüft werden, ob neben der Gabe von Eisenpräparaten eine weitere ursächliche Behandlung erforderlich ist. Liegt eine Leukämie vor, so sollten die entsprechenden Maßnahmen wie eine Chemotherapie oder eine Stammzelltransplantation eingeleitet werden. Die Aplastische Anämie, eine seltene Blutbildungsstörung, bei der alle Blutzellen vermindert sind, kann zunächst mit Bluttransfusionen behandelt werden. Als ursächliche Behandlung stehen hier im weiteren Verlauf die immunsuppressive Therapie und die Knochenmarktransplantation zur Verfügung.

Heilung dank Stammzellforschung

Bereits seit mehreren Jahrzehnten ist die Stammzelltransplantation ein fester Bestandteil bei der Behandlung schwerer Blutbildungsstörungen wie der Leukämie. Während bei anderen Krankheiten eine autologe Transplantation möglich ist, bei der dem Patienten vor dem Beginn einer Chemotherapie eigene, gesunde Stammzellen entnommen werden, sollte bei einer Blutbildungsstörung eine allogene Stammzelltransplantation durchgeführt werden. Dabei werden die blutbildenden Stammzellen von einem Spender, vorzugsweise von den Geschwistern, verwendet. Nach einer Konditionierungsphase, in der das Immunsystem mit einer hoch dosierten Chemotherapie zerstört wird, werden die gespendeten Stammzellen zugeführt und übernehmen von nun an die Blutbildung. Die Stammzellforschung arbeitet stets daran, das Verfahren zu optimieren und damit die Risiken wie Infektionen oder Abstoßungsreaktionen für den Patienten so gering wie möglich zu halten.

In eigener Sache: Vita 34 hat bereits Stammzellen bei Blutbildungsstörungen bereitgestellt

Dank der bei Vita 34 eingelagerten Stammzelldepots konnten schon mehrere Patienten mit Blutbildungsstörungen behandelt werden. Ein paar Beispiele:

  • Akute lymphatische Leukämie (ALL): ein drei Jahre altes Mädchen (autolog) sowie drei Kinder mit den Stammzellen ihrer Geschwisterkinder transplantiert (zwei Jungen (8 und 10 Jahre).
  • Akute myeloische Leukämie (AML): eine Frau (45 Jahre), allogene Transplantation
  • Aplastische Anämie: ein Junge (5 Jahre) mit Stammzellen seines Geschwisterkindes sowie ein Junge (11 Jahre) autolog
  • Beta Thalassämie: ein Mädchen (10 Jahre) sowie zwei Jungen (6 und 14 Jahre) mit den Stammzellen von Geschwistern

 

Studien und Quellen zur den unterschiedlichen Formen der Blutbildungsstörung:

  • ALL (Akute lymphatische Leukämie): Vgl. u. a.: Martino, R.; Giralt, S.; Caballero, M. D.(et al.): Allogeneic hematopoietic stem cell transplantation with reduced-intensity conditioning in acute lymphoblastic leukemia: a feasibility study. IN: Haematologica, 2003, 88(5), 555-560. und Ribera, J.-M.: Allogeneic stem cell transplantation for adult acute lymphoblastic leukemia: when and how. IN: Haematologica, 2011, 96(8), 1083–1086. DOI:10.3324/haematol.2011.048348
  • CLL (Chronische lymphatische Leukämie): Vgl. u. a.: Dreger, P.; Corradini, P.; Kimby, E. (et al.): Indications for allogeneic stem cell transplantation in chronic lymphocytic leukemia: the EBMT transplant consensus. IN: Leukemia (2007) 21, 12–17. DOI: 10.1038/sj.leu.2404441
    und Schetelig, J.; Dreger, P.: Chronische lymphatische Leukämie: Neue Perspektiven durch allogene Stammzelltransplantation für Hochrisikopatienten? IN: Dtsch Arztebl 2006; 103(20): A-1372 / B-1166 / C-1122.
    sowie Chronische Leukämie: seltener Rezidive durch Stammzelltransplantation. IN: Ärzte Zeitung online, 05.10.2010
  • AML (Akute myeloische Leukämie): Vgl. u. a.: Alyea, E.; Cochran, M.: Complex Case Study: Four Stem Cell Transplants for Acute Myeloid Leukemia (AML). IN: Advances in Hematologic Malignancies Issue 3, Spring 2014.
    und Reiffers, J.; Stoppa, A. M.; Attal, M. (et al.): Allogeneic vs autologous stem cell transplantation vs chemotherapy in patients with acute myeloid leukemia in first remission: the BGMT 87 study. IN: Leukemia. 1996 Dec;10(12):1874-82.
  • CML (Chronische myeloische Leukämie): Vgl. u. a.: Hochhaus, A; Berger, U.; Reiter, A. (et al.): Akteulle Therapiekonzepte bei chronischer myeloischer Leukämie : Die Studie IV der Deutschen CML-Studiengruppe. IN: Internist, 2002 – 43, 1228 – 1244. DOI: 10.1007/s00108-002-0706-6.
    und Maywald, O.; Berger, U.; Hochhaus, A. (et al.): Chronische myeloische Leukämie. IN: Die Medizinische Welt – aus der Wissenschaft in die Praxis, 2004 (Vol. 55): Heft 9, S. 274-277.
  • Aplastische Anämie: Vgl. u. a.: Vgl u.a.: Ladeb, S.; Abdelkefi, A.; Torjman, L. (et al): Allogeneic hematopoietic stem cell transplantation for acquired aplastic anemia using cyclophosphamide and antithymocyte globulin: a single center experience. IN: Bone Marrow Transplantation advance online publication 27 July 2009. DOI: 10.1038/bmt.2009.175.
    und National Institutes of Health: Allogeneic Hematopoietic Stem Cell Transplantation for Severe Aplastic Anemia and Other Bone Marrow Failure Syndromes Using G-CSF Mobilized CD34+ Selected Hematopoietic Precursor Cells Co-Infused with a Reduced Dose of Non-Mobilized Donor T-Cells. NCT01174108
  • Thalassämie: Vgl. u. a.: Lucarelli G.; Isgrò, A.; Sodani, P. (et al): Hematopoietic stem cell transplantation in thalassemia and sickle cell anemia. IN: Cold Spring Harb Perspect Med. 2012 May;2(5):a011825. DOI: 10.1101/cshperspect.a011825.